22/04/15

Prozesse der Zivilisation

Mit Essen spielt man nicht, aber man kann unser Verhältnis zum Essen ausstellen: Grill-Art im Kunst Raum Riehen

von Annette Hoffmann
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grillart4.jpgFoodcultura, In case of Fire, 2015, Foto: © Viktor Kolibàl

Mit Essen spielt man nicht, aber man kann unser Verhältnis zum Essen ausstellen: Grill-Art im Kunst Raum Riehen

Die ersten Grills waren am Rhein kaum in Betrieb, da wartete der Kunst Raum Riehen schon mit der Ausstellung „Grill Art“ auf. Es ist nicht zu übersehen: einerseits ist das Kochen ziemlich sophisticated geworden, andererseits ist die Lust, Fleisch (im selteneren Fall Gemüse) auf einen Rost zu hauen, nicht kleinzukriegen. Eigentlich eine ziemlich atavistische Essenszubereitung und möglicherweise verhält sich beides zueinander exponentiell. Die Ausstellung „Grill Art“, die von Sue Irion und Dominique Mollet kuratiert wurde, ist ein Hybrid: zeitgenössische Kunst verbindet sich mit Kulturgeschichte, Fotografien, Installationen mit kulinarischen Performances.

Ein wenig bricht diese Themenschau also mit Ausstellungskonventionen. Und dies liegt insbesondere an der spanischen Gruppe Foodcultura, die zu Beginn der Ausstellung auch zu einem Gastmahl lud. Fast der gesamte Anbau steht den Essensanthropologen aus Barcelona zur Verfügung. In Vitrinen sind in fast enzyklopädischer Manier Gegenstände ausgestellt, die mit dem Grillen, dem Grillgut und dem Feuermachen in Verbindung stehen. Und wie dies präsentiert ist, hat dann doch wieder viel mit zeitgenössischen Konventionen des Ausstellens zu tun. Es ist eine ganzer Atlas, der sich hier ausbreitet, historische Feuerwehrhelme sind ebenso darunter wie Erinnerungsbecher aus Zinn, Fayencen in Form von Tierköpfen oder ein Igel mit Zahnstochern, auf die sich Käse spicken lässt. Nicht zu vergessen Spielkarten mit Feuermotiven, der Struwwelpeter, Hotdog-Saucen und ein Set mit Tranchiermessern. Was sich zeigt, ist die Ambivalenz des Feuers, das früher ganze Stadtviertel ruinierte, aber eben auch zu einem höheren Essensgenuss führte und die des Fleischessens, denn der an sich barbarische Akt des Tötens wird durch Tischsitten zivilisiert. All das, benennt Foodcultura nicht, sie überlassen dem Betrachter seine eigene Lesart.

Gleich im Eingangsbereich jedoch sieht sich der Besucher der Ausstellung „Grill Art“ einer Prozession von Keramikkühen gegenüber wie man sie von Fensterbänken kennt, sie  haben eine Öffnung zum Bepflanzen oder können auch als Vase genutzt werden. Robert Chambers hat diese Nippesfiguren nach Riehen gebracht und wie sie so aufgereiht auf dem Boden stehen, fragt man sich schon, was für ein Verhältnis wir zu unseren Nutztieren haben. Eine fast symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Pflanze schafft Tilla Künzli. Die Basler Künstlerin hat ein Kleid geschaffen, dessen Taschen zu Blumentöpfen werden. Das ist zwar nur bedingt alltagstauglich, aber während die Trägerin Petersilie, Dill und Schnittlauch an die Luft und zur Sonne ausführt, lassen diese sich wiederum ernten. Robert Chambers und Alex James hingegen haben zusammen aus einer Parabolantenne einen Toastgrill gebaut. Eine technische Skizze erläutert, wie das Ganze funktionieren soll. Das Bandmitglied von Blur, Alex James, steht zudem für den Trend der letzten Jahre, Lebensmittel nicht länger als Industrieprodukt anzusehen. Der Brite macht Käse und wurde bereits dafür ausgezeichnet.

Grill Art.

Kunst Raum Riehen

Baselstr. 71, Riehen-Basel.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 13.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr. Bis 26. April 2015.

 

 

 

 




Kunst Raum Riehen