28/03/15

Augenblick und Dauer

Eine Ausstellung in der Sammlung Alison und Peter W. Klein befasst sich mit dem Ewigen

von Leonore Welzin
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Sean Scully, Green Pale Light, 2002, courtesy Sammlung Alison und Peter W. Klein, Eberdingen-Nussdorf

Eine Ausstellung in der Sammlung Alison und Peter W. Klein befasst sich mit dem Ewigen

In einer Welt steten Wandels, fortwährender  Beschleunigung und unterschiedlicher Geschwindigkeiten gewinnt die Synchronisation von realer und empfundener Zeit neue Bedeutung. Im Spannungsfeld von Augenblick und Dauer reflektiert die Ausstellung „ein Moment – ewig“ künstlerische Positionen von Zeitgenossen.

Kunstwerk nennt das Sammlerpaar Alison und Peter W. Klein sein Privatmuseum im 2000-Seelen-Ort Nussdorf, das sich architektonisch an die Seite des Unternehmens schmiegt. Die begrenzte Grundfläche zwischen den Werkhallen hat der Architekt Folker Rockel durch geschickte Nutzung der Höhe kompensiert. Fensterflächen und vertikale Öffnungen schaffen einen lichten Innenraum, der bewusst Ausblicke in die ländliche Umgebung einbezieht. Assoziationen an ein Schiff wecken nicht nur ein Bullauge und der Blick in die Ferne, sondern auch die vier Ebenen, verbunden durch großzügige Treppenaufgänge. Dieser räumliche Rahmen ist für die Ausstellungsdramaturgie nicht unerheblich. Kuratorin Valeria Waibel hat einen Rundgang von unten nach oben entwickelt. Auf der ersten Ebene lotet sie in der Gegenüberstellung von Sean Scully und Dieter Krieg „Momente existenzieller Tiefe“ aus. Das großformatige Öl-Gemälde „Green Pale Light“ des irischen Künstlers übersetzt Farbstimmungen der oberbayrischen Landschaft in pure Malerei. Kleinere Farbradierungen „Doric“ und „Cut Ground Red“ verweisen auf die Bedeutung der Antike und gewachsener Kultur-Landschaften. Kulturelle  Vielfalt spiegelt sich in kleinteiliger Agrarwirtschaft, bedroht von der Vereinnahmung durch Großkonzerne, können die Farbfelder als Mahnen und Hoffen interpretiert werden. Neben Scullys sanfte Farbschwingungen stellt Waibel das Spätwerk Kriegs. In „Bildern für die Dämmerung“ montiert der Karlsruher Künstler skizzenartige Kohlezeichnungen mit Satzfetzen auf der Leinwand. „Weil es nichts zu malen gibt und nichts womit man malen kann“, so ein von Hand hingeworfenen Satzbrocken auf dem Bild ohne Titel, das sich der Farbe gänzlich verweigert. Oszilliert die Semantik zwischen trivial und erhaben, mündet sie im Todesjahr 2004 schließlich in radikaler Infragestellung.

Auf der zweiten Ebene „Jetzt! Akzente des Momentanen“ werden Positionen an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei gezeigt. Die Arbeiten der dritten Ebene gehen „Über die Wirklichkeit hinaus“. Mit insgesamt 50 Exponaten von 20 Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, Österreich, Belgien, Großbritannien, Kanada und den USA wirft die Werkschau ein neues Licht auf das zum geflügelten Wort gewordene Goethe-Zitat: „Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“ 

Ein Moment - ewig.

Sammlung Alison und Peter W. Klein. Kunstwerk

Siemensstr. 40, Eberdingen-Nussdorf.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 21. Juni 2015.

 

 




Sammlung Alsion und Peter W. Klein