01/04/15

Eine Mittlerfigur

Das Migrosmuseum der Gegenwartskunst widmet Xanti Schawinsky eine Retrospektive

von Yvonne Ziegler
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Xanti Schawinsky, Untitled, 1940, courtesy of the Xanti Schawinsky Estate Zürich, Foto: Daniel Schawinsky

Das Migrosmuseum der Gegenwartskunst widmet Xanti Schawinsky eine Retrospektive

Alexander Schawinsky (1904-1979) war eine wichtige Vermittlerfigur des 20. Jahrhunderts. In Basel geboren, wendete er sich bereits 1923 als Bauhaus-Student intensiv der Bühnenarbeit zu und arbeitete wesentlich an deren avantgardistischer Ideenentwicklung mit. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Italien folgte der jüdische Künstler 1936 Josef Albers’ Ruf als Lehrer an das Black Mountain College in North Carolina. Die Ideen der Bauhausbühne gelangten auf diese Weise an jenen Ort, der als Urzelle der amerikanischen performativen Kunst gilt: 1952 führten John Cage, Merce Cunningham und andere das erste Happening „Untitled Event“ durch. Schawinsky selbst weilte zu dieser Zeit bereits in New York.

Das Migrosmuseum für Gegenwartskunst widmet dem Künstler derzeit eine kleine Übersichtsschau, welche die Etappen Bauhaus (1923-29), Black Mountain College (1936-38) und New York (1938-49) sowie seine malerischen Experimente ab 1949 in den Blick nimmt. Im Bauhaus-Bereich sind Bühnenkulissen- und Kostümentwürfe zu sehen, welche die Idee von „Kunst und Technik – die neue Einheit“ mit  futuristischen, dadaistischen und konstruktivistischen Anklängen visualisieren. Der Mensch, zumeist mit Maske und abstraktem Kostüm versehen, tritt hinter unsichtbaren Türen hervor und geht bisweilen in den opulenten Kulissen von Streifenfeldern, geometrischen Formen, Antikenfragmenten und Details aus Schaufensterauslagen unter. Es galt die Wahrnehmung des Zuschauers zu schärfen, die Stellung der Figur im komplexen Raumgefüge zu verfolgen. Sein wichtiges Bühnenstück „Olga-Olga“ (1928) wird anhand einer paravantartigen Kombinationskulisse sowie durch Zeichnungen und Fotografien einsichtig. Auch eine Zeichnung seines zweiten Bühnenstückes ist zu sehen: Auf schwarzem Grund begegnen sich ein Stepptänzer und eine Stepptanzmaschine. Im College-Bereich dominieren Entwürfe und Fotografien von Schawinskys „Spectodrama“. Noch stärker als am Bauhaus arbeitete er nun mit den Elementen Figur, Bewegung, Raum, Zeit, Form, Farbe, Licht und Ton. Neben diesen Studien begegnet man Fotos von Tänzern, die mit Papierbändern umhüllt agieren sowie des „Danse Macabre“ (1938), mit dem er das Todesmotiv als Grenzerfahrung auf die Bühne brachte. In New York arbeitete Schawinsky vorwiegend als Grafiker, einfache Zeichnungen von Köpfen mit schweren Waffen entstanden. Im letzten Raum sind schließlich seine malerischen Experimente der letzten Jahre zu sehen. Der Zeitkontext und der gelenkte Zufall haben nun Einzug gehalten, wenn er etwa wie Cage und Robert Rauschenberg Autos über Leinwände fahren lässt, wie Yves Klein und Otto Piene mit Feuer gestaltet oder in einer Pollockschen Arena gleich mit tanzenden Füßen die Farbe aufträgt. Xanti Schawinsky blieb in Bewegung.  

Xanti Schawinsky.

Migrosmuseum für Gegenwartskunst

Limmatstr. 270, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 17. Mai 2015.




Migros Museum für Gegenwartskunst