18/03/15

Saskia Edens

In den Arbeiten der Basler Künstlerin verbindet sich der Anfang mit der Gegenwart

von Annette Hoffmann
Thumbnail

saskiaedensdessin.jpg

Saskia Edens, Dessin Thermiques, 2015, Kamera: Simon Guy Frässler

In den Arbeiten der Basler Künstlerin verbindet sich der Anfang mit der Gegenwart

Draußen sieht alles nach Aufbruch aus, schwere Baumaschinen dröhnen, in Saskia Edens‘ Basler Atelier hingegen kann man Rückschau auf die frühsten Zeugnisse der Menschheit halten. Mehrere großformatige Kohlezeichnungen auf Leinwand hängen an der Wand, sie zeigen Wisente, Ziegenböcke, Hirsche und einen Mann, dessen Kopf von einem Geweih bekrönt ist – ein menschlich-tierisches Mischwesen. War es ein Schamane, eine Traumvision? Letztlich weiß man wenig über die Anfänge unserer Kultur. Bei Saskia Edens (*1975) stapeln sich die Bücher über französische Höhlenmalerei. Seit sie 2010 zum Festival „Le printemps de septembre“ eingeladen wurde und vor der Höhle von Niaux ihre Performance „Canis Lupus“ aufführte, ist sie angefixt. Die in den Pyrenäen gelegene Höhle, die sie während ihres Aufenthalts besichtigte, hat sie nachhaltig beeindruckt. „Man sieht die Zeichnungen genau dort, wo sie entstanden sind, an dem Ort, für den sie ausgewählt wurden“, sagt die Welschschweizerin. Da kann einen angesichts der vorbeirauschenden Jahrtausende durchaus ein Schwindel ereilen.

saskiaedenslupus.jpg

Saskia Edens, Canis Lupus, 2010, Foto: Alain Jost

Eigens für ihre Einzelausstellung „The Ages of Metals“ in der Zürcher Galerie Nicola von Senger entstand ihre Arbeit „Dessin Thermique“ auf dem Löwenbräuareal gegenüber. Auf dem Video sieht man die Künstlerin, wie sie die Höhlenzeichnungen mit Wasser und einem Brenner auf die Backsteinmauer malt. Es ist mit einer Wärmebildkamera aufgenommen, draußen muss es kalt gewesen sein, die Steppnähte ihrer Jacke zeichnen sich orangefarben ab, ebenso ihre Hand. Während Saskia Edens nicht sieht, was vor ihren Augen entsteht, kann der Betrachter beobachten, wie langsam die Höhlenszenen mit den sich überlagernden Tieren skizziert werden, für eine Weile sichtbar bleiben und dann wieder verschwinden. „Dessin thermique“ ist eine vieldeutige Arbeit, zeigt sie einerseits die Vergeblichkeit auf, diesen Anfängen der Kunst nahekommen zu wollen, andererseits ihre Bedeutung als vorhandenen, aber unsichtbaren Beginn. Und als Geste ist dieses Inbesitznehmen der Wand einer Kunstinstitution durchaus subversiv, in Zürich brachte sie gleich zwei Mal die Polizei auf den Plan. Im Sommer möchte Edens eine Tour durch Frankreich machen, um sich weitere Höhlen anzuschauen und ihre Arbeit an den Außenfassaden des Pergamonmuseums und des British Museums fortsetzen.

Saskia Edens kannte man bislang vor allem als Performerin, die sich selbst an Grenzen bringt und mit Elementen und deren unterschiedlichen Aggregatzuständen wie Wasser, Feuer und Eis arbeitet. 2012 zeigte sie etwa die Performance „Let it happen“. Das Wasser eines schmelzenden blauen Eiskronleuchters tropfte auf die zierliche Frau am Boden und ihr weißes Kleid. Die Kälte ließ selbst die Zuschauer frieren. Dabei ist Saskia Edens eine Performerin, die nicht unbedingt im Vordergrund stehen will. Ein Widerspruch in sich, den sie etwa mit der Hundeskelettmarionette, die ihr in „Canis Lupus“ zum Spielpartner wurde, auflöste. In ihren bildhauerischen Arbeiten hat sich vor allem die performative Geste im Umgang mit flüssigem Metall erhalten. Die aktuelle Werkgruppe fasst vieles zusammen, mit dem sich Saskia Edens seit ihrem Studium in Genf und Wien auseinander setzt. Vergangenheit und Zukunft sind für sie kein Widerspruch und so zitiert sie Meret Oppenheims Antwort auf die Frage warum Kunst: „weil man Lust hat – weil man einen Drang hat Kunst zu machen – weil es wirklich in unser rationalistisch eingestellten Welt das Einzige ist, was uns überhaupt mit unseren Wurzeln verbindet – und vielleicht auch mit der Zukunft!?“

     

Saskia Edens: The Ages of Metals.

Nicola von Senger, Limmatstr. 275, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 17.00 Uhr.

28. März bis 16. Mai 2015.

 

 




Saskia Edens
Nicola von Senger