27/02/15

Alle auf einer Linie?

Eine Ausstellung in der Kunsthalle Palazzo fragt nach der Political Correctness

von Yvonne Ziegler

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Thomas Hirschhorn, Easycollage Nr 6, 2014, Heike Barath, Ohne Titel, 2012, courtesy Galerie Mark Müller, Ausstellungsansicht Mark Müller

Eine Ausstellung in der Kunsthalle Palazzo fragt nach der Political Correctness

Manchmal klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Etwa wenn – wie in der Ausstellung „PC/Political correctness?“ – große Fragen zu politischer Kunst gestellt, dann aber nur vage gesellschaftskritische Kunstwerke gezeigt werden. Ausgangspunkt der Auseinandersetzung in der Kunsthalle Palazzo in Liestal ist eine Collage von Thomas Hirschhorn (*1957) aus dem vergangenen Jahr. Sie zeigt eine Gewaltszene als Bild im Bild, das von einer mit Perlen und Tattoos geschmückten jungen Frau berührt und angesehen wird. Das Kunstwerk löst Ambivalenz aus, will es doch als Kunst intensiv betrachtet und in seiner ästhetischen Machart analysiert werden. Und es fordert gleichzeitig als bildliches Zeugnis einer realen Gewalttat zum Betrachten von Gräueln auf, wodurch es den Betrachter zum komplizenhaften Voyeur macht, der zum Zuschauen verdammt ist. Wie die Frau ist er machtlos hinter den medialen Schirm von Fotografie und Collage gebannt, wo er nicht einschreiten kann, vor allem auch, da er nichts von der Vor- und Nachgeschichte des Pressefotos weiß. Hinsehen ist korrekt, Voyeurismus nicht. Und nicht zuletzt beschleicht einen das ungute Gefühl, dass Hirschhorn die aufgenommene Gewalt eigentlich auch für seine künstlerischen Zwecke missbraucht. 

Zu dieser stark widersprüchlichen Position sind in Liestal Videoarbeiten gruppiert, die eher als konsumkritisch, Dekadenz und Schönheitswahn reflektierend angesehen werden können: In Sylvie Fleurys (*1961) markigem Video „She devils on wheels“ von 1997 schießen attraktive Motorradfahrerinnen auf Luxushandtaschen (und sie treffen wahrlich), während Mike Bouchet (*1970) cool und gelangweilt aussehende Personen in einem mit Cola gefüllten Pool baden lässt. Elena Kovylina (*1971) hingegen ließ während der Manifesta 10 Menschen von offensichtlich unterschiedlicher Herkunft, Geschlechts und Alters – wahrscheinlich Kunstpublikum – auf verschieden hohen Hockern vor dem St. Petersburger Winterpalais posieren, sodass ihre Scheitel auf eine Linie gelangten. Diese fröhlich einträchtige Geste von Gleichheit in der Unterschiedlichkeit, die Kovylina als utopisches Bild einer demokratischen Gesellschaft versteht, nimmt sich angesichts der jüngsten internationalen Auseinandersetzungen allerdings merkwürdig naiv aus.

Schließlich finden sich neben simplen süßen Mons­tergemälden von Heike Kati Barath (*1966), die man nur schwer mit politischer Korrektheit in Zusammenhang bringen kann, Worte von Johannes Willi (*1983) und Garrett Nelson (*1989), die als schnell gemalte Buchstaben oder als Aluminium-­Signets den Alltag vom desillusionierten Miesmacher („Auf den Hund gekommen das ist süß Kicker trägt Bello von Rasen“) und im Virtuellen lebenden Gamer („Permadeath“) widerspiegeln. Am Ende fragt man sich: Wo bleibt eigentlich das wirklich packende politische Werk?   

 

PC/Political correctness?

Kunsthalle Palazzo

Bahnhofplatz, Liestal.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 13.00 bis 17.30 Uhr.

Bis 15. März 2015.

 

 




Kunsthalle Palazzo