25/02/15

Malerei kann Migräne lindern

Franz Gertsch feiert seinen 85. Geburtstag mit der Vernissage eines neuen Bildes

von Dietrich Roeschmann
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Franz Gertsch, Pestwurz, 2014/15, Privatsammlung Schweiz, © Franz Gertsch

Franz Gertsch feiert seinen 85. Geburtstag mit der Vernissage eines neuen Bildes

Man weiß nie genau: Ist es Geduld? Ist es Zwang? Wissenschaft? Oder einfach Meditation? Sicher ist eines: Die Bilder von Franz Gertsch verschlingen Zeit in riesigen Happen. Nicht nur seine eigene – oft sitzt er Monate oder Jahre an einem einzelnen Motiv –, sondern auch die der Betrachter, die wie angewurzelt vor diesen großformatigen Leinwänden und Holzschnitten stehen bleiben und kaum fassen können, wie Gertsch die Welt hier in Farbe nachbaut – Korn für Korn, Atom für Atom –, bis die Malerei alle Materie, alles Leben, jede Bewegung in sich aufgesogen hat wie ein Schwarzes Loch, dessen Gravitation den Betrachter vor der Wand, auf der es klafft, fixiert.

Zu Beginn seiner internationalen Karriere war Gertschs Welt bevölkert von Freunden und den Freaks der jungen Luzerner Künstlerszene um Luciano Castelli. Mit hyperrealistischer Akribie legte er in seinen Bildern das Immaterielle im Faktischen frei und brachte ihre Sexyness und rührende jugendliche Arroganz auf der Leinwand zum Glühen. Später, in den frühen Achtzigern, verschwanden die Freaks nach und nach von der Bildfläche und junge Frauen wie „Johanna“ tauchten auf. Sie blieben auch, als sich der Maler eine Pause gönnte und begann, als Autodidakt die Grenzen des Holzschnitts bis zur fast vollständigen Auflösung seiner Motive in der Monochromie auszutesten. In diese Zeit fallen auch seine ersten Naturbilder: Triptychen von Wasseroberflächen, Graslandschaften – und 1993 dann die erste Version einer „Pestwurz“. Dieses Kraut mit seinen pelzigen, gezackten Blättern, das es gerne feucht und schattig hat, brachte Gertsch nach langer Pause an die Leinwand zurück. Unter anderen markierte es dort den Ausgangspunkt einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von natürlichen Prozessen, fotografischem Abbild und ihrer Abstraktion in der Malerei.

Heute, gut zwei Jahrzehnte später, steht die Pestwurz, die zwischenzeitlich auch als Briefmarke der Schweizer Post kursierte, erneut im Rampenlicht von Gertschs Werk. Pünktlich zu seinem 85. Geburtstag wird der Maler eine frisch fertiggestellte Version in Großformat an einer eigens anberaumten Vernissage in Burgdorf vorstellen. Nicht auszuschließen, dass es ihm dabei gelungen ist, die Heilkräfte, die der Pflanze nachgesagt werden, in Malerei zu übersetzen.  

 

Franz Gertsch: Gewachsen.

Museum Franz Gertsch

Platanenstr. 3, Burgdorf.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 18.00 UHr, Samstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

7. März bis 30. August 2015.

 

 

 




Museum Franz Gertsch