24/02/15

Das sieht aber gut aus!

Der Kunstmarkt schreibt derzeit eher selten Schlagzeilen. Kein Problem für die art Karlsruhe: Die Kunstmesse im Badischen vertraut ohnehin lieber auf ihre eigenen Qualitäten – und bietet mit ihrer 12. Ausgabe rund 210 mittelständischen Galerien eine komfortable Plattform.

von red.
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Der Kunstmarkt schreibt derzeit eher selten Schlagzeilen. Kein Problem für die art Karlsruhe: Die Kunstmesse im Badischen vertraut ohnehin lieber auf ihre eigenen Qualitäten – und bietet mit ihrer 12. Ausgabe rund 210 mittelständischen Galerien eine komfortable Plattform.

Der Kunstmarkt, konnte man zuletzt meinen, ist langsam zur Ruhe zurückgekehrt. Die Preise steigen nicht mehr so rasant wie vor wenigen Jahren noch, als Experten zeitgleich den Boom bejubelten und den Big Bang fürchteten. Die Celebrity-Dichte an Vernissagen hat deutlich nachgelassen – und mittlerweile dürfen sogar junge Künstler wieder ganz in Ruhe zu Ende studieren, ohne vorher von umtriebigen Talent­scouts aus der Akademieklasse gepflückt und in eine „Young and emerging artist“-Karriere geschossen zu werden. Sieht man mal von den 300 Mio. Dollar ab, die Katars Herrscherfamilie vor wenigen Wochen angeblich für Paul Gauguins „Nafea taaipoipo“ hingeblättert haben soll, sind die Sensationen, mit denen der Kunstmarkt die Öffentlichkeit lange bewegte, heute eher rar.

Für eine Messe wie die art Karlsruhe sind das keine schlechten Nachrichten. Als seriöser, unaufgeregter Handelsplatz für Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart hat sie sich längst als feste Größe in der Agenda der Sammler und Kunstinteressierten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz etabliert – und das mit einem, sagen wir: mittelständischen Konzept. Statt auf Glamour und Rekorde setzt die art Karlsruhe so auch mit ihrer 12. Ausgabe, an der ab 5. März  210 Galerien aus elf Ländern teilnehmen, auf Qualität, Verlässlichkeit und ein dicht gedrängtes Rahmenprogramm. Neben der bewährten Präsentation einer bedeutenden Privatsammlung – in diesem Jahr ist die Sammlung Schauffler mit dem Schauwerk Sindelfingen zu Gast – sowie zwei fotografischen Themenschauen zu den ikonischen Kriegsbildern von Robert Capa und der jungen Fotoszene Ungarns gehört zu diesem Programm wiederum auch die Verleihung des Hans-Platschek-Preises.

2015 darf sich darüber der in Osaka geborene Künstler Rikuo Ueda (*1950) freuen. Der Japaner ist vor allem mit poetischen Zeichnungen bekannt geworden, für die er selbst kaum einen Finger rührt. Seine künstlerischen Entscheidungen beschränken sich in der Regel auf die Wahl der Werkzeuge und die Prüfung der Wetterverhältnisse. Frischt dann draußen der Wind auf, ist Ueda zur Stelle. Er befestigt Pinsel und Papiere in Büschen und Bäumen und wartet ab, wie die Bewegungen der Zweige ihre zarten Spuren auf dem Zeichengrund hinterlassen. „Ich möchte die ursprüngliche Kraft des Windes konservieren“, sagt Ueda. Dass er dafür in jüngster Zeit vermehrt auch sperrige Apparate mit Flügeln und Segeln baut, in denen sich die Brisen verfangen sollen, ist da nur konsequent: Zeichnung war für den 65-Jährigen schon immer ein Anlass, über die Natur hinaus auch über bildgebende Verfahren, Skulptur und künstlerische Prozesse nachzudenken.      

Dietrich Roeschmann

 

art Karlsruhe 2015.

Messe Karlsruhe, Messeallee 1, Rheinstetten,

5. bis 8. März 2015.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr.

 

 

 




art Karlsruhe