19/02/15

Verdrängte Körper

Mit „Displaced Volumes“ eröffnet die diesjährige Ausgabe von „Grenzgänger/Passe-Frontière“ im Kunstverein Freiburg

von Annette Hoffmann

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Ausstellungsansicht "Displaced Volumes" im Kunstverein Freiburg, Foto: Marc Doradzillo

Mit „Displaced Volumes“ eröffnet die diesjährige Ausgabe von „Grenzgänger/Passe-Frontière“ im Kunstverein Freiburg

Der Kunstverein Freiburg ist ein Genius loci, der immer wieder die Ausstellenden reizt. Seine Architektur erinnert an seine frühere Funktion als Schwimmbad. Und wer einmal die Werkstätten im Untergeschoss betreten hat, weiß, dass man dort immer noch auf das Bassin stößt. Daher ist es kein Wunder, dass Jeanne Berger, Thomas Dawidowski und Alexandra Meyer, das Trio des diesjährigen Projektes „Grenzgänger/Passe-Frontières“, sich mit diesem besonderen Raum befassen, in dem sie verdrängende und verdrängte Körper in ihren Arbeiten zum Thema machen. Seit drei Jahren gibt es diese grenzübergreifende Initiative, für die sich der Kasko aus Basel, der Straßburger Accélérateur des particules und der Kunstverein Freiburg zusammengeschlossen haben. Die jeweiligen Kuratorinnen Andrea Domesle, Sophie Kauffenstein und Caroline Käding brachten dann Jeanne Berger, Alexandra Meyer und Thomas Dawidowsky ins Spiel. Das Trio aus dem Dreiländereck wird sich im Laufe des Jahres immer wieder treffen, um gemeinsam die zwei folgenden Ausstellungen in Basel und Straßburg zu konzipieren. In Freiburg haben die drei dank der Sanierungen des Daches die gesamte Ausstellungsfläche zur Verfügung. Der Titel der Ausstellung „Displaced Volumes“ spielt unmittelbar auf das Volumen an, das Körper im Wasser verdrängen. Noch fremdeln die drei sichtlich. Ein Dialog – auch, wenn es ganz offensichtlich Schnittstellen zwischen den Arbeiten von Jeanne Berger und Alexandra Meyer gibt – wollte sich bei dieser ersten Station noch nicht recht einstellen. Erst im Dezember stand die Konstellation fest, da war wohl einfach die Zeit zu knapp kalkuliert.

Alexandra Meyer und Jeanne Berger befassen sich unmittelbar mit dem Körper. Es finden sich Schaukeln für nicht vorhandene Körper und Beschreibungen von Fieberattacken. In ihrem Video „Pedestral“ verfremdet Berger einen Sockel zur Bühne für ein Tanz-Solo. Die Bildfläche ist geteilt, die Bewegungen sind zeitlich versetzt und gekippt. Nicht selten geht es in den Videoarbeiten um eine Sozialisierung des Körpers, die mit einer Disziplinierung seiner Natur einhergeht. Radikaler im Umgang mit dem eigenen Körper ist Alexandra Meyer, die von der Body Art der 1960er Jahre, ihren provokativen Auftritten und Selbstverletzungen beeinflusst ist. 2011 entstand ihr Video „Blutwurst“, für das sie sich selbst Blut abgenommen hat. Im Video sieht man die Schweizer Künstlerin beim Wurststopfen mit verbundenem Arm. In „mist tragen“ aus dem vergangenen Jahr steht sie erneut im Mittelpunkt des Filmes. Drei Säcke voll Kuhmist ergeben ihr Gewicht, an dem sie sich doch fast überhebt.

Thomas Dawidowski, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Daniel Roth studiert hat, ist gleich in doppeltem Sinne ein Grenzgänger. Der 1985 geborene Künstler setzt an den physikalischen Phänomenen an und entwickelt mit seinen Arbeiten Modelle, durch die wir vorhandene Kräfte oder Ausmaße erkennen. So macht Thomas Dawidowski die Ausmaße des Wasserbeckens sichtbar, indem er diese auf dem Boden der Ausstellungshalle mit roter Maurerschnur markiert. Auf der Galerie simuliert der Karlsruher Künstler den sechseckigen Wirbelsturm, der am Nordpol des Saturns herrscht und der in den 80er Jahren entdeckt wurde, in seiner Installation „o.T. (Hexagon)“. In einem Wasserbassin erzeugt er Strömungen, die er mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit sichtbar macht.

Man darf gespannt sein, wie Jeanne Berger, Alexandra Meyer und Thomas Dawidowski das Projekt mit Leben füllen. Warm gelaufen für ihr dreiteiliges Ausstellungsprojekt haben sie sich mit dieser ersten Station schon mal.

Displaced Volumes.

Kunstverein Freiburg

Dreisamstr. 21.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 22. Februar. Am 22. Februar 2015 findet um 16.00 Uhr eine Performance von Jeanne Berger statt.




Kunstverein Freiburg