13/02/15

Die Bühne als Display

Die Ausstellung "Theater Objects" befasst sich in Zürich mit der Ausstellbarkeit von Architektur

von Annette Hoffmann
Thumbnail

theaterofobjectsparent.jpg

Theater Objects, Installation view, gta exhibitions and LUMA Westbau, Claude Parent, Danse et architecture (hinten); Trix und Robert Haussmann, Liegende Figur, homage à Bracelli, 2014, Foto: Stefan Altenburger

Die Ausstellung "Theater Objects" befasst sich in Zürich mit der Ausstellbarkeit von Architektur

So demokratisch gab sich wohl noch keine Wunderkammer. Nicht grundlos hat Günther Vogt (*1957) seinen Kabinettschrank auch „Wunderlust/Wanderkammer“ genannt. Ein in die Jahre gekommener Kartenständer rechts daneben wartet mit einem kleinen Faltplan auf, der den einzelnen Fächern Begriffe zuordnet. Gerätschaften zum Blumentrocknen sind zu entdecken – die Ergebnisse werden zwischen Glasplatten ausgestellt – ebenso wie Pigmente, verschiedene Sorten Honig und Postkarten. Aus einer Box, die mit Steinen gefüllt ist, schaut einem eine kleine Maus entgegen. Die Einladung, sich hier umzutun, klingt freundlich. Viel Welt ist in diesem Schrank enthalten, der demnächst nach New York wandern wird. Doch noch ist die Arbeit in der Themenschau „Theater objects. A stage for architecture and art“ im Luma Westbau zu sehen. Dass der Architekt und Lehrstuhlinhaber Günther Vogt hier ausstellt, ist kein Zufall. Die beiden Kuratoren Fredi Fischli und Niels Olsen leiten seit gut einem Jahr die gta exhibitions der ETH Zürich und sind jetzt erstmals mit der Luma Stiftung eine Kooperation eingegangen. Als Nicht-Architekten, die beiden Kunsthistoriker gründeten 2011 den Ausstellungsraum Studiolo und waren Stipendiaten der Gerbert-Stiftung, bringen sie ihr Galerien-Netzwerk auch in diese Gruppenschau ein, die sich auf zwei Etagen ausbreitet. „Theater Objects“ braucht den neugierigen Besucher, erklärt wird wenig. So etwas wie eine Exposition über das eigentliche Thema der Schau, wie sich Architektur ausstellen lässt, sucht man vergebens. Das Theater ist ein Display unter anderen und nicht etwa Leitmotiv der Ausstellung.

Der amerikanische Konzeptkünstler Dan Graham (* 1942) erläutert in einigen Sätzen, warum ihn welche Architekten und Bauten beeinflusst haben, Andrea Branzi (*1938) vereint auf wenigen Regalbrettern und bühnenartigen Aufbauten Steine und Glasobjekte sowie zwei Käfige für jeweils ein Kanarienvogelpärchen. Der spanische Architekt Josep Lluis Mateo (*1949) hingegen zeigt ein Stockwerk tiefer eine kleine, aber aussagekräftige Bibliothek, in der Bücher von Borges, Platon und Kavafis sowie Houellebecq vertreten sind. Schläuche und Anschlüsse ziehen sich an der Wand entlang, als wollte Mélanie Matranga die verschlungenen Einflüsse der Literatur auf das architektonische Werk Josep Lluis Mateos veranschaulichen, dabei ging es ihr vor allem darum, die hinter der Wand verborgenen Wasserleitungen sichtbar zu machen. Dass die Bühne Präsentations- und Performanceraum sein kann, demonstriert Claude Parent (* 1923) mit einer Sprossenwand, an der auf unterschiedlicher Höhe Rampen aus MDF-Platten befestigt sind. Parent entwickelt dieses System als Trainingsmodul für seine Tochter, die Balletttänzerin war. Es versetzt Sportler in die Lage, die unterschiedlichen Körperpartien zu trainieren. Die Vorstellungen fanden dann ganz konventionell auf der Bühne statt.

Theater Objects. A Stage for Architecture and Art.

LUMA Westbau

Limmatstr. 270, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 28. Februar. 2015.





gta exhibitions