30/01/15

Baustelle betreten erwünscht

David Semper baut den Kunstverein Bregenz Magazin4 in der Ausstellung "In aller Offenheit" zurück

von Florian Weiland
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David Semper, Santa Fe, 2014, Ausstellungsansicht Magazin 4, Bregenz, Foto: Florian Weiland

In seiner Ausstellung "In aller Offenheit" baut David Semper den Kunstverein Bregenz Magazin4 zurück

Um uns das  Chaos. Keine Frage, wir befinden uns auf einer Baustelle. Aber das Betreten dieser Baustelle ist ausdrücklich erwünscht. David Semper führt die Räume des Bregenzer Kunstvereins in ihren Rohzustand zurück. Rigipsplatten, die während den vergangenen Ausstellungen als Zwischenwände gedient haben, liegen zerbrochen und verstreut am Boden. Ein wenig erinnern sie an Eisschollen, die auf dem Meer dahintreiben. Im Fußboden sind Bohrlöcher zu sehen. Eine Wand ist aufgebrochen und offenbart ihr Innenleben. Die Tür, hinter der sich der Sicherungskasten verbirgt, steht offen. Der Raum selbst wird zum Kunstwerk. Semper spielt mit seiner materiellen Substanz. Die Installation „Santa Fe, Vorarlberg“ bedient sich der für Ausstellungsarchitekturen so typischen Trockenbauelemente Rigips und Eisenschrauben und öffnet Wände. Der Raum scheint auf den ersten Blick leer zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht. Der 1980 in Wuppertal geborene Künstler hat weitere, ebenso dezente wie subtile Eingriffe vorgenommen.

Nach einer Ausbildung zum Steinmetz studierte Semper an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und dann von 2007 – 2011 Freie Malerei und Grafik an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Seine Studien schloss er als Meisterschüler von Leni Hoffmann ab. Seine Arbeiten beeindrucken durch ihren prägnanten Raumbezug und ihren konsequenten Minimalismus. Schulkreidestücke werden in die Wand eingeputzt. Weiße Kreideflecken auf weißem Grund. Ein ephemeres Kunstwerk, das mit Ende der Ausstellung verschwinden wird. Drei Alabaster-Sechsecke sind in eine andere Wand eingelassen, hinter der sich eine Glasbausteinwand der ursprünglichen Architektur verbirgt. Eine raffinierte Anspielung auf die Geschichte des Ausstellungsortes. „Was sich zunächst als zarte Setzung zeigt, sind nachhaltige und überaus sinnliche Ereignisse im Raum“, erläutert Jörg van den Berg, Mitglied der Kuratorengruppe.

Die aktuelle Einzelausstellung markiert das Ende der neunteiligen und auf zwei Jahre angesetzten Ausstellungsreihe „six memos for the next.“ Ein Projekt, das darauf zielte, Begegnungen zwischen Kunstwerk, Künstler und Publikum unkonventionell neu zu denken. Einige diskrete Setzungen Sempers, der zum Teil mit erstaunlicher handwerklicher Finesse ans Werk geht, waren bereits seit Beginn der Ausstellungsreihe zu sehen. Das blühende Blau des in den Wandputz eingelassenen Stempelkissens etwa, mit dem der Künstler auf eine der ältesten Maltechniken, die Freskomalerei, verweist. Die Tinte hat sich in den Putz gefressen und blüht auf der Oberfläche. Jetzt sind weitere Stempelkissenbilder hinzugekommen. Oder der gebrauchte Dichtungsring einer Espressomaschine, der eine Alabasterscheibe umfasst und, von vielen unbemerkt, das Treppenhaus des Kunstvereins ziert.

Und jetzt? Die Zwischenwände wurden abgebrochen. Mit dem weitgehend leeren Ausstellungsraum führt Semper die Kunst zu einem Nullpunkt zurück. Ein radikaler Schlusspunkt. Semper leert den Raum, um ihn für den Besucher zu öffnen.

 

David Semper, In aller Offenheit

Magazin 4 Kunstverein Bregenz

Bergmannstr. 6, Bregenz.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 22. Februar 2015.

 

 

 




Six Mentos
Kunstverein Bregenz Magazin4