03/01/15

Jan Hostettler

Der Basler Künstler verknüpft Raum und Zeit in prozessartigen Anordnungen. Derzeit sind sie gleich an mehreren Orten zu sehen

von Annette Hoffmann
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Jan Hostettler, Stroll, fall, 2012/13, Kunsthalle Basel, Foto: Gunnar Meier, courtesy the artist

Der Basler Künstler verknüpft Raum und Zeit in prozessartigen Anordnungen. Derzeit sind sie gleich an mehreren Orten zu sehen

Wenn Jan Hostettler Mitte März nach Ablauf seiner Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland zu Fuß nach Istanbul aufbrechen wird, nimmt er sich nicht etwa eine Auszeit. Die Bewegung des Wanderns ist im Werk des Basler Künstlers angelegt. Geht es doch in vielen seiner Arbeiten um Prozesse, die sich im Raum abspielen und Kräfte entgrenzen, die im Material verborgen sind. Diesmal jedoch sind es nicht Paraffin, Stein, Kreide- oder Graphitstaub, die Hostettler (*1988) frei setzt, er entgrenzt sozusagen sich selbst als künstlerisches Subjekt. Im Durchschnitt wird er 20 bis 30 Kilometer pro Tag laufen, im Notfall so lange bis er eine Unterkunft gefunden hat. Die Wanderung wird ihn an eine Grenze von Europa führen, an der gerade das Verhältnis zum Islam und der Umgang mit syrischen Flüchtlingen verhandelt wird: absolute Gegenwart.

 Es ist nicht das erste Mal, das Jan Hostettler den Rucksack schultert, in dem seine analoge Mittelformatkamera Franka solida und ein Zeichenblock Platz finden. Auf diese Weise hat er bereits Kanada und die USA erkundet, meist zusammen mit Freunden, die ihn einen Teil des Weges begleiteten. Von seiner Wanderung nach Rom kam er mit der Arbeit „Stroll“ zurück, die an der Regionale 14 in der Kunsthalle Basel zu sehen war. Die quadratischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Landschaften und Siedlungen, die sich hinter kleinen Wäldern verbergen, waren sorgfältig gerahmt und mit Patronenhülsen bestückt.

Jan Hostettler steht auf und verlässt das sicherlich schönste Atelier Basels, das er sich seit Mai mit Martin Chramosta und Franziska Baumgartner in der Klingentalkirche teilt. Wir stoppen im Flur vor einer Vitrine, in der eine Serie von Abzügen liegt und in der sich die Munitionshülsen von transparent, über schwarz, rot, gelb, grün und blau reihen. „Ich mache eine Grand Tour und komme mit dem Farbkreis zurück“, sagt Jan Hostettler, lacht und erzählt von der Jagd in Italien, die auch eine soziale Trennung markiert und Landschaft als Ressource versteht.

Bislang seien seine Arbeiten auseinander hervorgegangen, sagt Jan Hostettler. „Plätsch“ etwa, mit der er sein Studium an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst 2011 beendete, wird er für das Kunsthaus Baselland modifizieren. Gut 150 Kilo graues Paraffin hat er für diese Rauminstallation verbraucht, das sich erst in schmalen Kanälen einen Weg von der Wand in den Raum bahnte, die dann zu Rinnsalen wurden, bis sich das Wachs schwallartig in mehreren Schüben über Wand und Boden ergoss. Am Ende war ein Bild entstanden, das entfernt an den abstrakten Expressionismus erinnerte und sich in der Wachsschicht auf dem Boden spiegelte. Jan Hostettler hatte Wachs, das als künstlerisches Material etwa in der Enkaustik oder für Entwürfe und im Abguss eine lange Tradition hat, durch das industrielle Produkt des Paraffins vergegenwärtigt. Wie sehr ihn der Prozess der Verflüssigung und Entgrenzung interessiert, zeigt auch sein Beitrag für die Kantonale Jahresausstellung in Solothurn. Mit dem gebundenen Staub eines Steines hat er diesen mehrfach vergrößert auf eine Wand im Kunstmuseum Solothurn gemalt. Der Betrachter, der sich der Arbeit über eine lange Flucht nähert, glaubt zuerst eine Fotografie zu sehen, bis er den Illusionscharakter erkennt. Auf der Kurzstrecke von etwa 50 Metern ist der Prozess einmal auf der Seite des Betrachters.          

50 Jahre Ateliergenossenschaft Basel.

Kunsthalle Basel

Steinenberg 7, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr. Bis 18. Januar 2015.

Zahlreiche Veranstaltungen, Infos unter www.50ateliergemeinschaftbasel.blogspot.com


30. Kantonale Jahresausstellung.

Kunstmuseum Solothurn

Werkhofstr. 30, Solothurn.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 4. Januar 2015.


Jan Hostettler: Beweis.

Kunsthaus Baselland

St. Jakobs-Str. 170, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 14.00 bis 20.00 Uhr.

23. Januar bis 15. März 2015.




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Ateliergemeinschaft Veranstaltungen