07/08/12

Porträt des Musikers als bildender Künstler

Die Staatsgalerie Stuttgart widmet John Cage eine Hommage anlässlich seines 100. Geburtstags.

von Annette Hoffmann
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Die Staatsgalerie Stuttgart widmet John Cage eine Hommage anlässlich seines 100. Geburtstags.9925john_cage_foto_d_higginskl.jpg

Wer John Cage eine Geburtstagsfeier ausrichtet, muss sich um den Kuchen keine Sorgen machen. In seinem „Mud Book“ liefert der Komponist und bildende Künstler ein Rezept, das nun in der Staatsgalerie Stuttgart anlässlich seines 100. Geburtstages nachzulesen ist. Cage hatte die Publikation eigentlich zusammen mit Lois Long für Kinder konzipiert, doch als sie 1983 gedruckt wurde, war Cage längst bekannt und so kam „Mud Book“ als Künstlerbuch heraus. Und welchem Kind müsste man ernsthaft erklären, wie man einen Matschkuchen bäckt? Für alle anderen zur Erinnerung: „some dirt and enough water“. Zu Cages Zutatenliste gehören neben Erde und Wasser jedoch auch Steine als Füllung und Pusteblumen als Kerzen – beim Ausblasen das Wünschen nicht vergessen. John Cage, Vertreter der Neuen Musik, Mitinitiator von Fluxus und Universalkünstler, ist in dieser kleinen Schau, die sich aus der Graphischen Sammlung und dem Archiv Sohm speist, als humorvoller und bodenständiger Mensch zu entdecken. Da finden sich Fotos von ihm als passionierter Pilzsammler und Dick Higgins‘ PR-Kampagne für das Buch „Notations“, die auch der Ausstellung ihren Titel „It’s John“ gab. Cage ist in ihr bei einem fiktiven Telefonat zu sehen, in dem er einem Freund von „Notations“ erzählt. Er selbst fand sie zu egozentrisch und so erschien sie nie.

„It’s John“ zeigt jedoch nicht nur Drucksachen, sondern Papierarbeiten aller Art, darunter Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken. Ein Blatt vereint eine Arbeit von Cage mit einer von Joseph Beuys, beide hatten sich zu einer Hommage auf George Orwells Roman „1984“ zusammengetan. Während Beuys auf Kalenderblättern zeichnete, bestand Cages Part aus feinen Umrissen von Steinen, die er mit der Radiernadel geschaffen hatte. Als bildender Künstler meidet Cage sichtlich die individuelle Handschrift. Mitte der 1940er Jahre begann er, sich mit dem Zen-Buddhismus und asiatischen Orakeln auseinanderzusetzen. Auch seine Hommage an Marcel Duchamp „Not wanting to say anything about Marcel“ aus dem Jahr 1968 hat er dem Zufall überlassen. Auf acht Plexiglasscheiben, die hintereinander angeordnet sind, finden sich verschiedene aufgedruckte Wortfragmente. Auf einer anderen Arbeit verbindet er musikalische Tempi mit Zeichnungen aus Henry David Thoreaus Tagebüchern. Für Cage, das zeigt diese Ausstellung, war Simultaneität eine Notwendigkeit.

It's John. John Cage zum 100. Geburtstag
Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Str. 30-32, Stuttgart.

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag bis Sonntag 10.00 bis 18.00, Dienstag und Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 11. November 2012.
Staatsgalerie Stuttgart

Zur Ausstellung ist eine Broschüre erschienen, sie kostet 9,80 Euro.