22/12/14

"Avant-Garde or Endgame"

Der Prix Marcel Duchamp gastiert im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

von Annette Hoffmann

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Théo Mercier, Atelieransicht, 2014, Courtesy Théo Mercier, ©  VG Bild Kunst, Bonn 2014, © ADAGP 2014, Foto: Erwan Fichan

Der Prix Marcel Duchamp gastiert im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Die größte Charmeoffensive kommt von Saâdane Afif (*1970). Der Prix Marcel Duchamp-Preisträger des Jahres 2009 nimmt mit seiner Arbeit „Fontain Archives“ unmittelbar auf den Paten des Kunstpreises Bezug. Seit 2008 sammelt der in Berlin lebende Afif Abbildungen von Duchamps berühmtestem Werk, er rahmt es und versieht es mit einem Stempel. Das Buch, dem er die Reproduktion entnommen hat, verbleibt bei ihm. Die Publikationen, aus denen Saâdane Afif die Abbildungen des von Duchamp 1917 zum Ready Made erklärten Urinoir herausreißt, sind von großer Bandbreite. Mal illustriert „Fontaine“ einen Aufsatz mit dem Titel „Avant-Garde or Endgame“, mal einen Lexikonartikel. Entsprechend unterschiedlich ist die Gestaltung, was Typografie und Layout angeht. Und natürlich spiegelt sich die komplizierte Werkgeschichte auch in den Abbildungen wider, die nicht immer auf der Fotografie von Alfred Stieglitz beruhen, nach der Duchamp später sein Werk rekonstruieren sollte. Für jemand, der sich wie Saâdane Afif mit dem Thema der Autorschaft auseinander setzt, ist dieses Archiv gleich im doppelten Sinne interessant. Und über diese divergierende Urheberschaft hinaus, zeigt „Fontain Archives“ auf, wie ein derartiges Schlüsselwerk in den unterschiedlichsten Kontexten als Beleg dient. Ob die Konzeptkunst Marcel Duchamps jedoch ganz grundsätzlich eine Referenz für jüngere französische Künstler ist, sei dahingestellt.

„Toutes Directions“ heißt die von René Zechlin und Astrid Ihle kuratierte Präsentation des Prix Marcel Duchamp, die einem deutschen Publikum die Nominierten des Jahres 2014 vorstellt und sie in eine Reihe von fünf Preisträgern einordnet. Neben Saâdane Afif sind von Mircea Cantor, Latifa Echakhch sowie Laurent Grasso und Mathieu Mercier kleinere Werkgruppen in Ludwigshafen zu sehen. Mercier gar breitet sich mit seinen am Konstruktivismus angelehnten Werken auch in der Sammlung aus und setzt mit ihnen gewitzte Kontrapunkte. Es muss nicht an diesem renommierten Preis liegen, dass die in Ludwigshafen präsentierten Preisträger über Frankreich hinaus bekannt sind. Der Prix Marcel Duchamp ist eine ungewöhnliche Konstruktion. Die mit 35.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 1994 von der französischen Vereinigung ADIAF, der Privatsammler, Mäzene und Kunstliebhaber angehören, für Nachwuchskünstler gestiftet. In diesem Jahr ging er an Julien Prévieux, von dem in Ludwigshafen neben einer Videoarbeit über die Anreize zur Selbstausbeutung von Kreativen „Anomalies construites“ eine Reihe von Acrylbildern zu sehen ist, die für „Frequently Asked Questions“ wie „Self and Others“ oder „Management and change and conflict“ absurde Visualisierungen  entworfen haben. Die Diagramme suggerieren Schnittmengen oder zeigen eine Pyramide, aufgebaut aus kleinen Pfeilen, die bis auf den obersten in eine Richtung weisen. Das nennt man dann wohl Führungsstruktur.      

Toutes Directions. Le Prix Marcel Duchamp

Wilhelm-Hack-Museum

Berliner Str. 23, Ludwigshafen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 11. Januar 2015.

 




Wilhelm-Hack-Museum