27/12/14

„Kunstwerke sind Orte der Begegnung“

Ein Gespräch mit Dagmar Reichert, Geschäftsführerin der 2011 gegründeten artasfoundation

von red.
Thumbnail

artasausstellung.jpg

Maria Magdalena Z'Graggen, Die Ausstellung, 2014 

Ein Gespräch mit Dagmar Reichert, Geschäftsführerin der 2011 gegründeten artasfoundation

Artline: Was ist das Besondere an der von Annina Zimmermann und Maria Magdalena Z’Graggen kuratierten Ausstellung „Connecting Spaces“, die aktuell im Ausstellungsraum Klingental gezeigt wird?

Dagmar Reichert: Studierende der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst sind im Mai zu einem zehntägigen Workshop nach Suchum/i gefahren und haben dort in kleinen Gruppen mit Künstlern vor Ort zusammengearbeitet. Jetzt stellen die abchasischen Künstler zusammen mit den Basler Studierenden und Künstlern aus Tiflis aus. Kunstschaffende in Abchasien sind isoliert. Der politische Konflikt zwischen Georgien und seiner „abtrünnigen Provinz“ Abchasien, das sich als eigener Staat versteht, ist ungelöst. Georgier können nicht nach Suchum/i reisen und umgekehrt ist es auch schwierig. Der Ausstellungstitel „Connecting Spaces“ hat sich am Anfang darauf bezogen Menschen zusammenzubringen, die anders nicht zueinander finden können, dann wurde immer deutlicher, wie Kunstwerke selbst einen Ort bilden, an dem Menschen einander begegnen können. 

 

Artline: Waren die unterschiedlichen Kunsttraditionen nicht zu disparat für einen Dialog?

Dagmar Reichert: Ich fand die Begegnungen sehr spannend. Bei uns hat sich die Kunstausbildung vom Technischen entfernt, dort orientiert sich die Ausbildung an einem sowjetischen Modell. Man setzt sich lange mit dem Erlernen der Technik auseinander bevor man eigene Ideen umsetzt. Unsere Studierenden können etwas von der handwerklichen Kompetenz erfahren und umgekehrt hat die Begegnung den Künstlern aus Suchum/i Mut gemacht, freier loszulegen

 

Artline: Im Dezember fand in Basel die OSZE-Konferenz statt, die Organisation war Schirmherrin der Ausstellung. Wie geht es weiter?

Dagmar Reichert: Im Frühjahr möchten wir mit denen, die aus Abchasien hier waren, besprechen, wie wir das Projekt weiter entwickeln können. Die Schweizer Diplomatie versucht für Menschen in Abchasien eine Tür in den Westen offenzuhalten und wir versuchen es auf der Ebene der Kulturschaffenden zu konkretisieren. Der Stiftung artasfoundation geht es seit ihrer Gründung darum, dass Kunst nicht nur mit unserer Freizeitgestaltung und dem Markt zu tun hat, sondern in Konfliktregionen für Menschen auch sehr wichtig sein kann. In Abchasien zeichnen die russischen Medien ein recht negatives Bild vom Westen. Daher erscheint es mir sinnvoll, wenn Menschen von dort freier ausreisen und sich ein eigenes Bild machen können.         

Interview: Annette Hoffmann

 

Connecting Spaces.

Ausstellungsraum Klingental

Kasernenstr. 23, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 4. Januar 2015.

 

 

 




Artas Foundation