16/08/12

Re-Enactment einer Ausstellung

Im T66 wird mit "Passiv - explosiv, revisited" eine Ausstellung von Metzger, Staeck, Frowein neu beleuchtet.

von Annette Hoffmann

Passiv - explosiv, revisited
Ausstellungsansicht von Passiv-explosiv 1981/2012

Im T66 wird mit "Passiv - explosiv, revisited" eine Ausstellung von Metzger, Staeck, Frowein neu beleuchtet.

„Passiv – explosiv“ war für das Kuratorenkollektiv Gustav Metzger, Klaus Staeck und Cordula Frowein weit mehr als ein griffig klingender Ausstellungstitel. Beschrieb er doch einen Gesellschaftszustand, der so nicht bleiben sollte. Nicht zuletzt durch die Kunst sollte die bislang passive Menschheit angesichts der explosiven Lage des atomaren Wettrüstens in den Zustand der Aktivität versetzt werden. Die Kunst, die es dafür brauchte, entsprach nicht der Westkunst, die in der von Sigrid Ruby und Kasper König kuratierten Großschau in den Kölner Messehallen 1981 zu sehen war. „Passiv – explosiv. Entwurf einer Ausstellung“ zeigte in der Hahnentorburg des Kölner Berufsverband Bildender Künstler nichts anderes als Dokumente. Doch „Westkunst“ war möglicherweise weniger Feindbild als Symptom eines Kulturbetriebs, der Geltungshoheit für die Kunst der Gegenwart beanspruchte – und ein Großteil zeitgenössischer Werke ausschloss – und der mit dem Kunstmarkt flirtete. Beides war vor allem für Gustav Metzger, der 1938 durch das Refugee Children’s Movement dem Holocaust nach London entkam und der 1977 zu einem dreijährigen Kunststreik aufgerufen hatte, dem nur er allein nachkam, undenkbar.

Im Ausstellungsraum des Freiburger BBK T66 haben nun die beiden Kuratoren Samuel Dangel und Sören Schmeling „Passiv – explosiv“ in Teilen rekonstruiert und den Fotokopien die Präsentation der Freiburger Kulturgespräche beiseite gestellt, die Mitte der 1990er Jahre stattfanden. Auf zwei gegenüberliegenden Wänden geben Fotodrucke Einblick in die Kölner Ausstellungsräume, die mit Zeitungsausschnitten, Plakaten und Flugblättern tapeziert sind und in denen Gustav Metzger mit politischen Titeln einen Bücherturm gebaut hatte. „Wer bei Kunsthändlern kauft, unterstützt die Unterdrückung der Kunst, die Ausbeutung der Künstler und die durch das Monopol des Handels betriebene Verdummung“ kann man nun im T66 neben einem Aufruf von Joseph Beuys, Klaus Staeck und Erwin Heerich lesen. Metzger, der in Folge der Institutionskritik der 1990er Jahre wiederentdeckt wurde, ist sicherlich der radikalste der drei. Das Explosive, das der Ausstellungstitel beschwor, machte er zum Charakteristikum seiner Kunst. Er wandte sich gegen das Wettrüsten wie auch gegen die Umweltzerstörung, etwa im „Project Stockholm“, bei dem 120 Autos in Flammen aufgehen sollten. In Freiburg ist nun eine fast vergessene politische Ästhetik wieder zu entdecken.

Passiv – explosiv revisited
T66, Kulturwerk
Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr. Bis 2. September 2012.

Im modo-Verlag ist die begleitende Publikation Gustav Metzger. Years without art erschienen.
T66, Kulturwerk