18/12/14

Fotos mit Appendix

Der Fotograf Peter Hebeisen ist zu Schlachtfeldern gereist und hat sie friedlich vorgefunden

von Annette Hoffmann

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Peter Hebeisen: Battlefields, Hatje Cantz, Ostfildern 2014, 160 S.,  39,80 Euro | ca. 59.80 Franken

Nicht noch ein Buch über den Ersten Weltkrieg, könnte man denken. Doch der Bildband von Peter Hebeisen ist anders – was natürlich auch jede andere Publikation, die anlässlich des Kriegsausbruchs vor 100 Jahren erschien, für sich beanspruchen würde. Hebeisens Bildband ist anders, weil es den Appendix braucht, um zu verstehen, was hier geschah. Nicht dass die Aufnahmen, die dem Schweizer Fotografen mit der Großbildkamera gelangen, zu unspektakulär wären, doch kann man die Schönheit der Natur, die Hebeisen eingefangen hat, kaum mit den Schlachten verbinden, die hier einmal stattfanden. Über acht Jahre ist der Fotograf gut 40.000 Kilometer gereist. Mit 1000 Kriegsschauplätzen hat sich Hebeisen befasst, am Ende waren es 46 Schlachtfelder des Ersten und Zweiten Weltkrieges, des Spanischen Bürgerkrieges, des Krieges in Jugoslawien und Irland, die Eingang in sein Buch fanden. Meist sind die Aufnahmen – selbst die in den Städten – menschenleer. Hebeisen muss oft sehr früh unterwegs gewesen sein, um diese besonderen Stimmungen einzufangen. In Verdun wachsen wieder Bäume – ob sie wohl gerade 100 Jahre alt geworden sind? Und Volgograd, das frühere Stalingrad, zeigt eine eher unaufgeregte Flusslandschaft mit Industrieansammlungen. Die Texte sprechen eine andere Sprache: Grotesk viele Menschen fanden hier zwischen August 1942 und Februar 1943 den Tod. Man sollte die Warnung dieser Bilder nicht vergessen.  




Hatje Cantz