04/12/14

Attraktiv und absolut gegenwärtig

Zwei Ausstellungen des Malers Ben Hübsch in Bad Krozingen und Rastatt

von Dietrich Roeschmann
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Ben Hübsch, B 592, 2014, Courtesy the artist

Zwei Ausstellungen des Malers Ben Hübsch in Bad Krozingen und Rastatt

Zugegeben, abstrakte Malerei hatte schon immer ein Vermittlungsproblem. Nicht bei den Experten. Aber bei vielen, die es nicht sind. Sie gilt weder als romantisch, noch als ironisch oder besonders sexy. Ihr Interesse für die Welt da draußen, heißt es, halte sich in Grenzen. Aber stimmt das?

Der Maler Ben Hübsch ist Experte. Seine Bilder sind abstrakt: Perfekt konstruiert, exakt ausgeführt – aber trotzdem wird man vor ihnen das Gefühl nicht los, es hier mit einem absolut gegenwärtigen, ungemein attraktiven Gegenüber zu tun zu haben, das vorführt, wie Glamour funktioniert und Melancholie – und nebenbei aus den banalsten Alltagserfahrungen der Gegenwart schöpft. Gibt es also doch eine Verbindung zwischen Abstraktion und Welt? Hübschs Bilder, die derzeit in Rastatt und Bad Krozingen zu sehen sind, lassen daran keinen Zweifel. Selten prägnant zeigt sich an ihnen das Einsickern avancierter Alltagsästhetiken in die aktuelle Malerei.

Im Grafikdesign angesagter Lifestyle-Magazine wie „i-D“ oder „Pop“ gibt es seit einiger Zeit die Tendenz, Bilder übereinanderzuschichten. Porträts von Interviewpartnern oder Modestrecken prangen dann auf Landschaften, hinter denen wiederum grafische Ornamente hervorschauen oder die Reste eines überblitzten Stilllebens. So überladen diese Ästhetik wirken mag, so sehr ist sie in unserer täglichen Wahrnehmung geerdet. Ihr Ursprung ist das Computerdisplay, auf dem mit jeder geöffneten Datei ein weiteres Fenster aufspringt, das die dahinterliegenden verdeckt. Klick um Klick entsteht so die Illusion eines in die Tiefe gestaffelten Bildraumes.

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Ben Hübsch, B 592, 2014, Courtesy the artist

Ben Hübsch bewegt sich mit seiner Malerei schon seit langem auf der Grenze zwischen der geometrischen Abstraktion der Fläche und einem virtuellen Naturalismus des Raumes. Seine Bilder kombinieren Elemente der konkreten Malerei und des Hard Edge, unterlaufen aber konsequent die reine Lehre dieser Konzepte. Ausgehend von scharf konturierten Farbbändern, die er in Wellen über die Leinwand pulsieren lässt, zu dichten Diagonalgittern flechtet, durch unscharfe Schwarz-weiß-Bilder in Foto-Optik verdeckt oder mit schablonenartigen Übermalungen in ihre Einzelteile zerlegt, so dass sie wie die Trümmer einer gesprengten Bildidee durch den Raum schweben, hat Hübsch eine Malerei entwickelt, die mit Kunstgeschichte gesättigt ist und dennoch wie ein Resonanzkörper digitaler Ästhetiken wirkt – auch wenn hier alles analog ist.

Das Leuchten seiner Bilder verdankt sich dabei nur zum Teil den intensiven, oft neongrellen Farben und ihren flirrenden Kontrasten. Ebenso wichtig sind die Farbverläufe, mit denen Hübsch seit langem experimentiert. Waren es zunächst nur die Leerstellen zwischen den Bandgeflechten, die er durch zarte, mit dem Pinsel gemalte Verläufe füllte und seine Bilder so in einen imaginären Raum erweiterte, changieren mittlerweile sämtliche Elemente in irren Farbspektren, die mal den Eindruck metallischer Oberflächen erzeugen, mal wie Ausschnitte von Abendhimmeln auf der Leinwand glühen, in die Western-Regisseure der 1970er Jahre ihre einsamen Helden reiten ließen. Hübsch weiß um die Verführungskraft solcher Klischees. Er stutzt sie auf die geometrische Form zurecht und baut daraus kaleidoskopartige Illusionsräume, deren unwirkliches Lichtdesign seinen Ursprung ebenso in der Post-Pop-Art von Künstlern wie Allen Ruppersberg oder Ed Ruscha haben könnte wie in einem Smartphone-Display. So aufregend und weltgewandt präsentiert sich Abstraktion nur selten.

 

Ben Hübsch: Malerei 2004-2014

Herzzentrum Bad Krozingen

Südring 15, Bad Krozingen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 bis 18.0 Uhr.

Bis 8. Dezember 2014

 

Ben Hübsch: Fit in Farbe

Städtische Galerie Fruchthalle

Kaiserstr. 48, Rastatt.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 12.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 25. Januar 2015





Ben Hübsch