21/11/14

Lukas Schneeweiss

Der Karlsruher Künstler verleiht dem Minimalismus glänzende Oberflächen, denen er gerne Namen gibt – oder Titel wie gute Popsongs

von Annette Hoffmann
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Lukas Schneeweiss, Peter und Pauline, 2014, Installationsansicht EnBW Foyer, Karlsruhe 2014

Der Karlsruher Künstler verleiht dem Minimalismus glänzende Oberflächen, denen er gerne Namen gibt – oder Titel wie gute Popsongs

Lukas Schneeweiss macht etwas, woraus man umgekehrt jedem Sammler einen Strick drehen würde: Er stellt sich zum Bild das passende Sofa vor. „In vielen Bereichen würde ich mich als Ästheten bezeichnen“, sagt der Karlsruher Künstler. Die Idee, die er für seine mit dem Förderpreis der EnBW verbundene Werkpräsentation verwirklicht hat, war also naheliegend. In der Reihe „Ateliereinblicke“ bildet seine Ausstellung im Karlsruher Foyer des Unternehmens eine Art Wohninsel, die in verschiedene Bereiche abgetrennt ist: Arbeiten, Schlafen, Leben. Die Möbel jedoch stammen vom Trödel, es sind ironische Zeichen, ein wirklich hässlicher Teppich und eine Schrankwand im Gelsenkirchener Barock, die zum Bildgrund einer seiner Textarbeiten wird. „Seeing something ugly makes me want to fix it“ – das wäre nun also auch behoben.

Der 35-Jährige hat bei Leni Hoffmann an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert, 2013 waren seine Arbeiten in der Meisterschüler-Ausstellung „Top 13“ zu sehen. Zusammen mit Kommilitonen gründete er in Freiburg den Off-Space plan b, der später in den Ausstellungsraum barcelona mündete. „Es gefaellt mir wenn du nachdenkst“, konnte man 2012 als Gruß an die Passanten und Autofahrer auf dem Flachdach des barcelona lesen. Schneeweiss verschickt gerne Botschaften an unbekannt. Es sind Tests für die Wirkung von Sprache. „Worte waren immer wichtig“, sagt er. Vielleicht, weil er zwar in Niederbayern aufwuchs, die Familie aber fünf Jahre in der Türkei lebte und er durch seine Mutter auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat.

„Ein großer Teil meiner Arbeit besteht in der Materialrecherche“, resümiert Lukas Schneeweiss. Die grau gebleichten Bretter, auf die er 2012 schmale türkisfarben überzogene Quader gesteckt hat, stammen von einem alten Zaun seiner Eltern. Die drei Bildträger von „Klara“ aus dem Jahr 2010 hat er bei einem Gemeinschaftsprojekt während des Studiums beim Abbruch der alten Universitätsbibliothek in Freiburg entdeckt. Die waagrechte Grenze zwischen heller Keramik und türkisfarbenem Pigment – beide Teile sind mit Epoxidharz überzogen – beschreibt die Horizontlinie.

Für das aktuell entstandene Diptychon „Peter und Pauline“ ist das weiße Oval von einem roten und einen blauen Ausschnitt wie ein Porträt umrahmt. Spielkarten waren die formale Vorlage für diese Bilder, die zugleich an Farbfeldmalerei erinnern. Minimalismus goes Pop. Glänzende Oberflächen können ganz schön sexy sein. Dennoch: „Wenn das Material keine rein monochrome Fläche hat, ergeben sich Freiheiten“, sagt Lukas Schneeweiss – dem Hang zum Schönen zum Trotz. Ein Perfektionist ist der Karlsruher nicht. Die Materialien haben oft eine gewisse Patina, die Farbe deckt nicht immer die Holzklötzchen ganz ab und manchmal löst sich das Pigment nicht vollständig im Harz auf, so dass dunkelblaue Farbkörner bestehen bleiben. Materialrecherche meint aber immer auch die Aneignung oder zumindest das Interesse für handwerkliche Fähigkeiten. Die Messingstifte für seine Arbeit „Amélie“ hat er erst zurecht gesägt und geschliffen und dann einem Pforzheimer Goldschmied zum Vergolden übergeben. Noch glänzen sie hell in der Verpackung, bald werden sie sich zu einem rechteckigen, hoch artifiziellen Raster aus dem Geist der Minimal Art fügen. Soviel schöner Schein war der bislang fremd.     

Lukas Schneeweiss.

Foyer, EnBW

Durlacher Allee 93, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 23. Januar 2015.