03/11/14

Über das Poetische und Politische im Alltäglichen

Der Schweizer Künstler Erik Dettwiler ist ein Flaneur mit der Kamera

von Annette Hoffmann

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Erik Dettwiler: Dispositions, Edition Haus am Gern, Biel 2014, 400 S., 60 Euro | 75 Franken

Der Schweizer Künstler Erik Dettwiler ist ein Flaneur mit der Kamera

Städte sind öffentliche Räume, in denen um Aufmerksamkeit und Gestaltungsmöglichkeiten gestritten wird. Der Schweizer Künstler Erik Dettwiler hat sich über acht Jahre hinweg Berlin, Rom, Bukarest und Johannesburg mit dem Fotoapparat erlaufen. Dettwiler ist ein würdiger Nachfahre der Flaneure, dem die Schriften der Situationisten zudem nicht ganz unbekannt sind. Dettwilers Fotografien in diesem knapp 400 Seiten starken Band wirken beiläufig, die Menschen, die man auf seinen Aufnahmen sehen kann, sind Passanten, die mehr oder weniger zufällig in das Bild geraten sind. Für Dettwiler jedoch sind sie Akteure urbanen Lebens, das mitunter zu komischen Koinzidenzen führt. Etwa wenn sich die Bauweisen in Rom und Rumänien doch gar nicht so sehr voneinander unterscheiden oder wenn vier Nonnen, deren Tracht vom Wind aufgebläht wird, plötzlich eine ähnliche Silhouette haben, wie das Model auf der Modefotografie an einer Werbesäule neben dran. Die Frage bleibt: wem gehört die Stadt – ihren Bewohnern oder den Investoren? Ein ganzes Kapitel widmet Dettwiler Graffitis, die er vor allem in Rom vorfand. Die Nähe zwischen Fußballklubs und Parteien dürfte kein Zufall sein. Ein schöner Band über das Politische im Alltäglichen.




Edition Haus am Gern