11/10/14

Formen von Landschaft

Die John Schmid Galerie und Balzer Art Projects zeigen in Basel neue Ausstellungen

von Annette Hoffmann

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Lorenza Diaz, Radius, 2013

Die John Schmid Galerie und Balzer Art Projects zeigen in Basel neue Ausstellungen

Lorenza Diaz, Silbergrund

Querformate sind nicht mein Ding, sagt Lorenza Diaz. Der Bezug zur klassischen Landschaftsmalerei ist ihr einfach zu offensichtlich. Natur ist auch nicht unbedingt das, was man auf Diaz‘ oft großformatigen Leinwänden sieht. Die gitterähnlichen Strukturen, die auf ihrem Bild „Schnitt“ das Helle verdrängen, ähneln Baumaterial, die unregelmäßigen Kringel, die sich aus dem Dunkel von „Umweg“ abheben, wirken wie künstliche Lichterscheinungen. Man muss die eigene Perspektive jedoch nur um ein Weniges verändern und sich vorstellen, man läge auf dem Boden und schaute direkt in das von unförmigen Strichen umrahmte Weiß, dann sähe man in einen Himmel von überwältigendem Sog. Diesen Auflösungserscheinungen entspricht eine Malweise, die sich zwischen Kontrolle und Zufall einspielt. Der eher dünne Farbauftrag mit dem Pinsel ist dabei genauso wichtig wie das Ablösen der Schichten. Die Tradition, aus der diese Bilder entstehen, ihr Hell-Dunkel-Kontrast, ihre Dramatik und Komposition, ist schnell benannt: es sind die alten Meister. In den Werken der 1978 geborenen Schweizerin gehen Malweise und die Wirklichkeit der Bilder auf schlüssige und vielversprechende Weise auseinander hervor. Zwei Semester hat sie in Leipzig studiert, nicht allein wegen der Vermittlung des Handwerks, sondern auch wegen der „positiven Konkurrenz“, wie sie sagt. Dort findet Lorenza Diaz auch die verlassenen Areale, die Industriebrachen, die oft zum Ausgangspunkt ihrer Werke werden.

John Schmid Galerie

St. Alban-Anlage 67, Basel.

Öffnungszeiten: 8.30 bis 12.00 Uhr, 13.30 bis 17.00 Uhr, Dienstag bis Freitag 8.30 bis 12.00 Uhr, Samstag 12.00 bis 16.00 Uhr.

Bis 15. November 2014.


Das Leben ist (k)ein Stillleben. Gruppenschau

Balzer Art Projects gibt mit einer Gruppenschau einen Vorgeschmack auf die kommende Kunstsaison. Den etwas rätselhaften Titel haben viele der zehn beteiligten Künstlerinnen und Künstler fotografisch interpretiert. Valentin Jeck etwa bereitet Blumen sehr elegant und kühl auf dunklem Grund eine Bühne. Während Alma Leiva zellengroße Installationen in Wohnräumen inszeniert, wobei die Spielplatzsituationen, die sie mit Schaukeln, Miniatur-Fußballfeldern und Papierflieger herstellt, die dem spannenden Konzept etwas unangemessen Infantiles verleiht. Und auch Marcel Scheibles „Hommage to the stool“ sind Prints und zugleich eine Liebeserklärung an das Interieur der Cargo-Bar. Denn Scheible hat Hocker zu Türmen gestapelt, die durch ihre vielfältigen Oberflächen überraschend grafisch wirken. Und selbst bei den „Heimatkästle“ von Nicolas Kerksieck rahmt das Holz alte Urlaubsfotos ein. Doch ganz so still ist diese Ausstellung dann doch nicht. Hält man den Geigerzähler an die orangefarbenen Teller, die an den Wänden hängen, löst die Berührung ein metallisches Piepen aus. Der Ire Brian Duggan macht mit seiner Installation „…not in itself a hazard“ auf den skandalösen Umgang mit dem Uranoxid in der Glasur der Teller aufmerksam. Dieses, so betonte die US-Regierung in den 1970er Jahren würde keine Gefahr an sich darstellen.

Balzer Art Projects

Wallstr. 10, Basel.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 12.00 Uhr, 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 10.00 bis 14.00 Uhr.

Bis 18. Oktober 2014.

 

 

 




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