27/10/14

Geballte Aufmerksamkeit

In der Katholischen Akademie Freiburg stellt Gela Samsonidse in "Face to face" Menschen einander gegenüber

von Theresa Gunkel
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Gela Samsonidse, Gela und Gela, 2013

In der Katholischen Akademie Freiburg stellt Gela Samsonidse in "Face to face" Menschen einander gegenüber

Durch Gela Samsonidses in der Katholischen Akademie ausgestellte Serie „Face to Face“ zu gehen, fühlt sich ein wenig an wie durch die Fester fremder Wohnzimmer zu schauen. Ohne vorher anzuklopfen platzt der Betrachter in eine vertrauliche Situation der Kommunikation zweier Menschen hinein. Der Titel der Serie beschreibt gleichzeitig die dargestellte Situation, die auf den Ölgemälden als Schema erkennbar ist: face to face sitzen sich die Protagonisten auf Stühlen in einem nicht näher definierten Ausschnitt eines Innenraums gegenüber. Sie sind Fotografin und Modell, Vater und Sohn, heißen Elene und Franzi oder Tekla und Gio. Sie sind stumm, sitzen sich einfach nur gegenüber und schauen sich dabei in die Augen.

Ein wenig erinnern die Szenen an eine Laborsituation, an einen wissenschaftlichen Versuch. Der Betrachter wartet auf die Reaktion der beiden Protagonisten, doch nichts passiert. Was würde geschehen, wenn im eigenen Wohnzimmer ein Punk einer verschleierten Frau gegenüber sitzen würde? Würden sie versuchen, sich aufeinander einzulassen? Gela Samsonidse gibt keine Antworten, er stellt nur die Fragen in einem dargestellten Moment des Stillstands. Ein Moment, der von einer kompletten Konfrontation zum Gegenüber erfüllt ist. Die geballte Aufmerksamkeit die sich die Protagonisten entgegenbringen kann einschüchternd und anstrengend sein, vor allem wenn es sich bei dem Gegenüber um das eigene Ich dreht.

In seinen Selbstportrait „Gela und Gela“ (2013) sitzt der Künstler sich selbst gegenüber und hat dabei die Augen geschlossen. Der Rezipient wird an Redewendungen erinnert. Basiert die Begegnung hier auf „blindem Vertrauen“ oder kann sich jemand hier „nicht in die Augen sehen“? Gela Samsonidse scheint Wert darauf zu legen, dass sich die Protagonisten im Moment der Begegnung „auf Augenhöhe“ befinden. Sie sind jeweils etwa gleich groß dargestellt und sitzen auf ähnlichen Sitzgelegenheiten.

Hinter allen Begegnungen steht die Kunst. Im Hintergrund der Szenen sind geometrisch angeordnete Tapeten oder Kunstwerke zu sehen, die real existierenden Kunstwerken nachempfunden sind. Diese stammen teilweise von anderen Malern (beispielsweise Modrían oder Malewitsch), befreundeten Künstlern oder aber ihm selbst. In der Verwendung von Bildzitaten aus seiner früheren abstrakten Schaffensphase in seiner fotorealistischen neuen Arbeit gelingt dem seit 1994 in Freiburg ansässigen Künstlers eine Verbindung verschiedener Stile und Arbeitsweisen.

Im Erdgeschoss der Ausstellung sind Zeichnungen der großen Gemälde zu sehen. Sie sehen aus wie Entwürfe zu den Ölgemälden, interessanterweise sind sie jedoch erst nach den Gemälden als eine Art „nachträgliches Storyboard“ entstanden. Wie nach einem Kinobesuch lassen sich nach dem Besuch der Ausstellung Gedanken weiterführen. Gedanken wie der, dass man sich immer selbst im Blick eines anderen begegnet. In der ältesten Kommunikationsform des Menschen, dem Blickkontakt, lassen sich mehr Dinge sagen als in vielen Worten. Vielleicht geht es deshalb auch gar nicht um die unlösbare Aufgabe, die uns dargestellte Laborsituation in „Face to Face“ zu entschlüsseln. Vielmehr scheint sich hinter den Bildern die Aufforderung zu verbergen, öfters selbst hinter die dargestellten Masken von Kopftüchern und Punk- Frisuren in die Augen unserer Gegenüber zu schauen.

Gela Samsonidse „Face to Face“

Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg

Wintererstraße 1, Freiburg

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30- 18.15 Uhr

Bis 24. November 2014

 




Katholische Akademie Freiburg