17/10/14

Auf der Schnittstelle von Minimalismus und Alltag

Der französische Künstler Mathieu Mercier spielt in seiner Ausstellung "Everything but the kitchen sink" mit optischen Täuschungen

von Florian Weiland
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Mathieu Mercier, o.T. (work in progress), 2013, Courtesy Mehdi Chouakri, Berlin, Foto: Stefan Rohner

Der französische Künstler Mathieu Mercier spielt in seiner Ausstellung "Everything but the kitchen sink" mit optischen Täuschungen

Eine sündhaft lecker aussehende Kirschtorte, ein Regenschirm, ein Kamm, eine Weinflasche, Cola-Dosen und vieles mehr: Gleich zum Auftakt seiner aktuellen Soloschau präsentiert der französische Künstler Mathieu Mercier (*1970) in drei Vitrinen ein buntes Sammelsurium von Alltagsgegenständen. Doch gerade will man an den sattsam bekannten Konsumgütern vorbeieilen, schon ist man dem französischen Künstler in die Falle gegangen. Denn der Schein trügt – die vertrauten Objekte sind nicht das, was sie vorgeben zu sein. Der Regenschirm ist ein versteckter Degen, in dem Kamm steckt ein Dolch. Die Weinflasche ist eine Pfeffermühle und die Kirschtorte in Wirklichkeit eine Spardose für Kinder.

Mathieu Mercier,  Artist in Residence des Kunstmuseums St. Gallen, wartet noch mit einer ganzen Reihe ähnlicher optischer Täuschungen, bzw. Enttäuschungen auf. Seine Ausstellung „Everything but the kitchen sink“ führt den Betrachter konsequent in die Irre. Die im Eingangsbereich der Lokremise zu sehenden „gefakten“ Konsumgüter geben die Richtung vor. Ganz alltägliche Gegenstände werden musealisiert, mit neuer Bedeutung aufgeladen oder in unerwarteten Materialien nachgestellt. Die Hundedecke mit den bunten Spielbällen ist aus Bronze gegossen, während sich ein ganz gewöhnlicher Gürtel in ein Möbiusband verwandelt und damit zu einem Symbol der Unendlichkeit wird. Der Künstler spielt mit uns und fordert uns heraus. Doch ganz zu durchschauen ist er nicht. Was bedeuten etwa die Turnschuhe, die am Fuße des künstlichen, etwas kitschigen Wasserfalls zurückgelassen wurden, dessen Plätschern durch den ganzen Saal tönt? Das monumentale, aus Marmorimitat bestehende „Last Daybed“ verweist dagegen mit nicht zu übersehender Eindeutigkeit auf ein Grabmal. Ein eher plumpes Memento mori, auf dem man sich ungern zur Ruhe betten möchte. Genau hinsehen muss man bei der riesigen Straßenlaterne. Ihre Form spielt auf unbezahlbare Designklassiker der 1960er Jahre an, besteht aber in Wahrheit aus billigsten Materialien: Basketballkörbe und Gartenleuchtkugeln.

Bezüge zur Kunstgeschichte – insbesondere zur Minimal Art, aber auch zu Marcel Duchamp – ziehen sich durch die gesamte Ausstellung. Die spielerische Leichtigkeit der Pop-Art paart sich hier mit leiser Konsumkritik. Kunst, Alltagskultur und Design sind die Zutaten, die Mercier für seine Inszenierungen vermengt. Das Grundprinzip ist einfach: bekannte Gegenstände werden verfremdet, indem sie aus ihrem angestammten Kontext gerissen werden. Keine wirklich neue Idee, aber trotzdem immer wieder ein reizvolles Spiel.         


Mathieu Mercier

Kunstmuseum St. Gallen, Lokremise

Grünbergstr. 7, St. Gallen.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 13.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 9. November 2014.