06/10/14

Reparatur als Akt der Wiederaneignung

„The Repair“ dokumentiert Kader Attias gleichnamige documenta-Arbeit

von Dietrich Roeschmann

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Kader Attia: The Repair, The Green Box, Berlin 2014, 176 S., 32 Euro | ca. 40 Franken

The Repair dokumentiert Kader Attias gleichnamige documenta-Arbeit

Die raumgreifende Installation „The Repair“ von Kader Attia gehörte zu den Highlights der documenta 13. In hohen Archivregalen präsentierte der in Algerien geborene Künstler hier neben Büchern, Zeitschriften und anderen Dokumenten der blutigen Kolonialherrschaft Europas in Afrika auch Fotografien verwundeter Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Flankiert wurden diese Porträts von afrikanischen Masken, die Attia von Bildhauern aus dem Senegal nach Vorlage der Fotos hatte anfertigen lassen. Im Zentrum dieser Verschiebung stand die Narbe als sichtbares Zeichen von Leiden, Genesung und Entstellung. Ein reich bebilderter Band dokumentiert Attias documenta-Arbeit nun erstmals vollständig und führt in seine Theorie der Reparatur als Akt der Wiederaneignung ein, um die sein Werk seit langem kreist. „Die Wunde eines Körpers oder Objektes ist das Ergebnis einer natürlichen Schwäche“, sagt Attia im Interview, „der Akt des Reparierens ist kulturell, daher ethisch und politisch“. Warum das so ist, erklärt Manthia Diawara in seinem hervorragenden Essay: „Indem wir die Narben der Anderen lecken und ihnen erlauben unsere Entstellungen zu lecken, nehmen wir an einem Austausch teil, der uns verändert.“

 




The Green Box