05/10/14

We are all flesh

Die Monografie blickt auf die letzten 30 Jahre im Werk von Berlinde de Bruyckere zurück

von Annette Hoffmann

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Berlinde de Bruyckere, Hirmer Verlag, München 2014, 304 S., 69 Euro | 88.80 Franken

Die Monografie blickt auf die letzten 30 Jahre im Werk von Berlinde de Bruyckere zurück

Die Werke der belgischen Künstlerin Berlinde de Bruyckere lassen wohl niemanden kalt. Zeigen sie doch das Menschliche, mehr noch: das Kreatürliche von der verletzlichen Seite. Seit Mitte der 1990er Jahre befasst sich die Flämin mit dem Körper. Sie hüllt ihn in Decken, zeigt Muskelstränge in Epoxidharz und Wachs, Extremitätenbündel, deformierte Pferdeleiber. Es muss diesen Körpern etwas Furchtbares widerfahren sein – die Sterblichkeit in ihrer grausamsten Form: Krankheit, Krieg, Folter. De Bruyckeres Körper haben kein Antlitz und lassen den Betrachter mit diesem Schmerz allein. Die Monografie vereint anlässlich Berlinde de Bruyckeres Ausstellung im Genter S.M.A.K. Werke aus den letzten drei Jahrzehnten. Ihre Arbeit für den belgischen Pavillon auf der Biennale von Venedig 2013 „Kreupelhout“ nimmt dabei ebenso eine besondere Stellung ein wie die Zeichnungen de Bruyckeres. Klapptafeln holen die Atelierwände der Künstlerin, die ein wenig an die Bildatlanten Aby Warburgs erinnern, ins Buch. Das Thema der Passion findet sich unter diesen Bildern wie das des Märtyrertums des heiligen Sebas­tians, aber auch Fotos von Pferdekadavern auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges sowie Opfern von Genoziden und Aufnahmen aus zeitgenössischen Ballettaufführungen. „We are all flesh“ heißt eine Arbeit von de Bruyckere – dem entgeht man hier nicht.

 

 




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