06/10/14

Vom Motor zum Promoter

Der bulgarische Künstler Plamen Dejanoff entwickelt seine Arbeit aus Aneignungsstrategien zwischen Kritik und Affirmation

von Leonore Welzin
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Plamen Dejanoff, Alle Autos, die zu mir passen würden (Ferrari), 2002, Courtesy the artist and Galerie Emanuel Layr

Der bulgarische Künstler Plamen Dejanoff entwickelt seine Arbeit aus Aneignungsstrategien zwischen Kritik und Affirmation

Wer, wie Plamen Dejanoff (*1970), die Flamme im Namen trägt, dem ist kein Eisen zu heiß, um damit Verbindungen zwischen Kunst und Kommerz zu schmieden. Sind andere Künstler der sogenannten Appropriation Art wegen Urheberrechtsverletzungen mehrfach verurteilt worden, entziehe sich die Aneignungslogik von Dejanoffs „binären Schemata von Affirmation und Kritik, Verwertung und Subversion“, so Kurator Maximilian Geymüller. Wie sich Methoden des Brandings, des Imagetransfers oder Rückgriffe auf fremde und eigene Inhalte, die kennzeichnend sind für Dejanoffs Œuvre, in dessen künstlerischer Praxis manifestieren, verdeutlicht jetzt die Werkschau „Plamen“ (deutsch: Flammen).

Auf drei Ebenen präsentiert die Ursula Blickle Stiftung Exponate der letzten 15 Jahre, wobei künstlerische Anfänge und Serien des in Wien lebenden Bulgaren in den Obergeschossen und im Treppenhaus Platz gefunden haben: „Collective Wishdream of Upper Class Possibilities“ (2002), das Exemplar „Champion“ (2007) der Keramik-Reihe „New Works“, die einer Werbefigur bunter Schokolinsen nachempfunden ist oder die Sportwagen affine Serie „Alle Autos, die zu mir passen würden“ (2002/2007). Aufgrund ihrer Hochglanz­ästhetik sehen die C-Prints auf Aluminium „Mirror“ (1999), „Golden Eye“ (1999) und „Engine“ (2000) nach gut ausgeleuchteter Werbefotografie aus. Warum „Quite Normal Luxury“, so der Titel des Langzeitprojekts mit der damaligen Lebens- und Kunstpartnerin Swetlana Heger, für Irritationen sorgte, ist anhand der Abbildungen kaum nachvollziehbar, erschließt sich aber durch den Kontext. Die beiden Künstler vereinbarten eine Zusammenarbeit mit dem BMW-Konzern, die vorsah alle Flächen, die „Heger & Dejanov“ im Zeitraum eines Jahres in Ausstellungen und Katalogen zur Verfügung haben, an BMW zu vermieten, um im Gegenzug einen fabrikneuen Z3-Roadster zu erhalten. Der perfekt inszenierte Werbeauftritt als eine Art Ready-made, vom Künstler selbstbewusst inkorporiert, provozierte durch die Kompromisslosigkeit dieser symbiotischen Komplizenschaft. Die Geister scheiden sich an Dejanoff, er hat sich von der BMW-Affäre distanziert, das Image des angry young man ist dem eines ambitionierten Promoters gewichen.

„Foundation Requirements“, ein aktuelles, auf Jahrzehnte hin angelegtes Unternehmen, wirbt für die kulturelle Wiederbelebung von Veliko Tarnovo, der jahrhundertealten Handelsmetropole und einst blühenden Hauptstadt von Bulgarien. Zur Finanzierung hat Dejanoff 2010 eine Stiftung gegründet und im Stadtkern sieben Häuser erstanden. Ein Baustein des angestrebten urbanen Gesamtkunstwerks ist die Bibliothek der mittelalterlichen Patriarchen-Residenz. Aus tausenden Eichenholzteilen in originaler Steckbauweise wurden eine Tür, sowie Wand- und Bodenelemente detailgenau rekonstruiert. Zugleich architektonisches Element und autonome Skulptur fungieren sie als Anschauungsmaterial und 3D-Werbung für das Projekt.

Im Spiegelsaal der Ursula Blickle Stiftung ist die jüngste Arbeit zu sehen: „Plamen“, ob „Karthago in Flammen“ oder „Die flambierte Frau“, auf einem Dutzend Film-Plakaten lodert der Begriff, gedoppelt in der großen Spiegelwand. Davor befindet sich ein tiefergelegter Tisch mit etlichen Ausgaben des tschechoslowakischen Kunst- und Literaturmagazin „Plamen“. Entflammt in Liebe zum Westen repräsentieren diese Hefte der 1960er Jahre den Prager Vorfrühling, unter anderem mit Satiren vom jungen Václav Havel. Plamen Dejanoff plant eine Neuauflage. Vorerst hat der Herausgeber in spe Logos entworfen und in Bronze gießen lassen. Das Design ist grafischen Eigenarten des Blattes entnommen.

     

Plamen Dejanoff

Ursula Blickle Stiftung

Mühlweg 18, Kraichtal.

Öffnungszeiten: Mittwoch 14.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 26. Oktober 2014.

 




Ursula Blickle Stiftung