04/10/14

Der letzte Gast

Die Ausstellung der britischen Künstlerin Anne Hardy im Kunstverein Freiburg stellt die Gegensätzlichkeit von Fotografie und Skulptur infrage

von Fiona Hesse

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Anne Hardy, Fieldworks. Installationsansichten Kunstverein Freiburg 2014

Die Ausstellung der britischen Künstlerin Anne Hardy im Kunstverein Freiburg stellt die Gegensätzlichkeit von Fotografie und Skulptur infrage

Der rote Teppich ist ausgebreitet, die Party kann beginnen – oder ist sie etwa schon vorbei? Arbeitsgeräusche und Wortfetzen dringen ans Ohr, irgendwo wird gehämmert, das klingt ganz nach Abbau. In „Field (Interior)“ von Anne Hardy (* 1970) im Kunstverein Freiburg fühlt man sich einen Moment lang wie der vergessene letzte Gast einer rauschenden Party, deren spätes Ende man in einer mit Fellen bedeckten Sitzgelegenheit verschlafen hat. Tritt man dann aus der hölzernen Konstruktion in der Ausstellungshalle wieder in das helle Licht der Leuchtstoffröhren, findet man sich mitten in „Fieldworks“ wieder, der ersten Einzelausstellung der britischen Künstlerin in Deutschland, welche die Gegensätzlichkeit von Fotografie und Skulptur infrage stellt. Gleichzeitig macht sie auch die künstlerische Wandlung sichtbar, welche die Absolventin des Royal College of Art London in jüngster Zeit vollzog. Hatte Anne Hardy bis vor kurzem die Kulissen, die sie eigens für ihre Fotos konstruiert, im Anschluss immer wieder zerstört, recycelt sie nun Teile davon und spricht den architektonischen und skulpturalen Strukturen aus Holz und gegossenem Beton künstlerische Eigenständigkeit zu. Dem Betrachter ist es seither möglich, Räume ähnlich derer ihrer Fotos zu betreten und selbst Teil des Kunstwerks zu werden. Die sonst  menschenleeren Aufnahmen zeitloser Momente können nun in Form begehbarer Installationen von realen Menschen, ihren Gedanken und Fantasien bevölkert werden.

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Anne Hardy, Fieldworks. Installationsansichten Kunstverein Freiburg 2014

Auf der Galerie zeigt der Kunstverein einige der bekanntesten Fotografien Anne Hardys sowie von ihr gestaltete Pinnwände. Darauf angeordnete kleinformatige Fotos von Schutthaufen, Baumaterial, Mauern und Steinen offenbaren nicht nur ihre persönlichen Inspirationsquellen, sondern auch die skulpturalen Qualitäten des Alltags, die manches menschliche Auge so wahrscheinlich nicht erkennen würde. Auch die Ansammlung verschiedener Worte, ausgeschnitten aus diversen Zeitungen, ist wie eine Art Skizzenbuch der Künstlerin lesbar und finden, alphabetisch geordnet, auch Eingang in ihre Klangcollagen im unteren Stockwerk. Viele ihrer Arbeiten sind von Science-Fiction-Literatur inspiriert. Der Augenblick, in dem das Gewöhnliche, Alltägliche in eine unsichtbare Nebenwelt abdriftet, fasziniert Anne Hardy dabei besonders. In „Fieldworks“ gelingt es ihr, Einblicke in verschiedenste Parallelwelten zu geben und das Medium der Fotografie skulptural zu erweitern – durch einen Erlebnisraum, der auch die Wahrnehmungsgewohnheiten von Fotografien verändert. Dann kann ein Ausstellungsbesuch auch mal der Beginn eines rauschenden Festes werden, das für Anne Hardy und die Betrachter ihrer Kunstwerke hoffentlich noch lang andauert.

Anne Hardy, Fieldworks

Kunstverein Freiburg

Dreisamstr. 21, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 2. November 2014.




Kunstverein Freiburg