02/10/14

Von der Komplizenschaft mit dem Laien

Der Sammelband Laienherrschaft versucht Ordnung in des Verhältnis von Kunst und Medien zu bringen

von Dietrich Roeschmann

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Laienherrschaft, Diaphanes, Zürich 2014, 320 S., 24,95 Euro | 35.40 Franken

Der Sammelband Laienherrschaft versucht Ordnung in des Verhältnis von Kunst und Medien zu bringen

Wenn es um die Kunst geht, sind heute gerne alle Künstler: die Kritiker, die Kuratoren, die Konsumenten – und natürlich auch die vielen Fans und interessierten Laien, die in ihren Blogs an der Definitionsmacht der klassischen Medien sägen. Das ist einerseits erfreulich. Kunst braucht Komplizen. Andererseits ist es nicht ganz unproblematisch. Denn Komplizenschaft – und erst recht Identifikation – mindert die Distanz und somit die Bereitschaft zur Kritik. Also: Was tun? In 18 Essays und Interviews versuchen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes, Ordnung in das zunehmend unübersichtliche Verhältnis von Künsten und Medien zu bringen. Über weite Strecken liest sich das wie ein kurzweiliger, aber präziser Obduktionsbericht an der offenen Leiche des Kritikerpapstes. Seine Autorität, so das einhellige Urteil, ist definitiv gebrochen. Dass ein Gros der Gutachter-Crew – von Stefan Zweifel über Boris Groys bis Diedrich Diederichsen – selbst zu dieser Spezies anerkannter Großexperten gehört, entbehrt da nicht der Ironie, ist aber dennoch konsequent. Schließlich geht es hier nicht wirklich darum, den Sieg der Amateure über das Expertentum zu feiern, sondern um die Diskussion der möglichen Aufgaben einer Kunstkritik unter den veränderten medialen Bedingungen der Gegenwart. Ruedi Widmer, Herausgeber dieses lesenswerten Bandes, sieht sie unter anderem dort, wo die Kritik der alten Schule aus Eigeninteresse schwieg: in der Benennung all der Verflechtungen und Abhängigkeiten, Marktinteressen und PR-Strategien, die den Kunstbetrieb prägen und damit auch das, was wir uns als Kunst ansehen.




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