09/09/14

Inventur der guten Form

Das Zürcher Museum für Gestaltung eröffnet sein Schaudepot im Toni-Areal

von Dietrich Roeschmann
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Toni-Areal, Foto: Betty Fleck, Museum für Gestaltung Zürich, © ZHdK

Das Zürcher Museum für Gestaltung eröffnet sein Schaudepot im Toni-Areal

Die LKW rollen bereits seit Anfang Mai. Langsam kriechen sie aus den Hallen und Höfen der Orte, an denen die Sammlungen des Zürcher Museums für Gestaltung bislang lagerten, und nehmen Kurs Richtung Westen. Dort, im Kreis 5, entstand in den vergangenen fünf Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Toni-Molkerei der neue Campus der Zürcher Hochschulen ZHdK und ZHAW sowie ein weitläufiges Schaudepot, in dem jetzt erstmals die vier Sammlungen des Museums für Gestaltung an einem Ort zusammengeführt werden. Unterteilt in die Bereiche Plakat, Design, Kunstgewerbe und Grafik umfasst sie eine halbe Million Objekte – vom Kippbalkenschalter und Sparschäler über modernistische Auslegeware, Dreiräder, Lampen, Kinoplakate und poppige Schreibmaschinen bis zum eleganten Outdoor-Mobiliar für futuristische Seeuferpromenaden der Fünfziger oder Techno-Textilien der Gegenwart. Die meisten dieser Objekte haben schon lange kein Licht mehr gesehen. Das soll sich nun ändern. 

Wenn das Schaudepot Ende September eröffnet, wird diese weltweit größte Sammlung Schweizer Designs erstmals für ein breites Publikum zugänglich sein. Zugleich zeigt das Museum für Gestaltung hier seine Ausstellungen, bis die demnächst beginnende Sanierung des Mutterhauses 2018 abgeschlossen ist. Passend zum Umzug und zur Neuorganisation der Sammlung folgt die Debütschau in den neuen Räumen denn auch dem Prinzip der Inventur. Mit über 800 Objekten will sie einen Überblick über die Leistungen des Schweizer Designs der letzten 100 Jahre geben – und nebenbei gleich die Frage nach ihrem angeblichen Swissness-Faktor klären. Für Kuratorin Renate Menzi repräsentierte den lange Zeit „etwas Uhrmacherliches“, wie sie kürzlich in einem Interview sagte, gepaart mit Max Bills programmatischer Devise, dass auch Schönheit eine Funktion sei. Die „Gute Form“ gilt seither als Synonym für alles, was Schweizer Design-Studios verlässt: präzise, geschmackvoll, unaufgeregt und funktional gestaltete Alltagsdinge, in denen sich Ordnungswillen und Eleganz auf seltsam entschiedene Weise kreuzen. Wenn Menzi nun ankündigt, mit der ersten Ausstellung im Schaudepot „neue Perspektiven auf das Designland Schweiz“ eröffnen zu wollen, ist das nur plausibel: Seit fast einem halben Jahrhundert hat sich die einheimische Szene vom einst so engen Korsett der guten Form emanzipiert. Höchste Zeit also, sich von einem Klischee zu verabschieden. 

 

100 Jahre Schweizer Design.

Schaudepot

Pfingstweidstr. 26, Zürich.

26. September 2014 bis 8. Februar 2015.

Eröffnung: 26. September, 2014, 19.00 Uhr.




Museum für Gestaltung