14/08/14

Mit Klarsicht und Distanz

Das Fotomuseum Winterthur stellt Robert Adams nicht nur als Landschaftsfotograf vor

von Yvonne Ziegler
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Robert Adams, Ranch Northeast of Keota, Colorado, 1969, Yale University Art Gallery, © Robert Adams

Das Fotomuseum Winterthur stellt  Robert Adams nicht nur als Landschaftsfotograf vor

 

Das Nirgendwo ist schön. Kleinformatige Schwarzweißaufnahmen des amerikanischen Fotografen Robert Adams (*1937) geben den Blick auf die Schönheit gewöhnlicher Orte preis. Wohngebiete, die in die Landschaft am Fuße des beeindruckenden Pikes Peak hineinwachsen. Häuser, dicht an dicht gedrängt, kaum aufgezogen schon im Zerfall begriffen. Endlos reihen sich Autos auf Parkplätzen vor fern aufragenden Gebirgszügen. Vorgefundene Szenarien mit Klarsicht und Distanz betrachtet, von einem feinen hellen Licht und tiefen Schatten erfüllt, mit viel Raum um das Motiv herum. Mit der Veröffentlichung „The New West“ wurde Adams 1974 berühmt. Und aufgrund seines Interesses an der Grenzzone zwischen Kultur- und Naturraum, Siedlungen, Architektur, Infrastruktur und Landschaft zählt man ihn zu den amerikanischen Fotografen, die 1975 durch eine gleichnamige Ausstellung mit dem Label „New Topographics“ belegt wurden. Sein Oeuvre ist aber breiter angelegt. Als etwa Ende der 1970er Proteste gegen die geheimen Atomwaffentests nahe Denver laut wurden, begann Adams Menschen zu fotografieren oder vielmehr das, was sich zwischen diesen rund um Denvers unspektakuläre Malls abspielte: an Taschengurten und Armen zerrende Kinder, zum Großvater ausgestreckte Hände, Gesten zwischen Erwachsenen. Es galt angesichts von nuklearer Bedrohung Leben festzuhalten. Äußerst spannend sind seine Dämmerungs- und Nachtaufnahmen von Vororten, in denen man nur wenigen Menschen begegnet, die Ruhe der Nacht spürbar ist, Wolken stofflich werden und die Lichter eines Karussells stillstehen. Zumeist fotografiert Adams die Gegend um seinen jeweiligen Wohnort, die er auf unzähligen Wanderungen durchstreift. Erst Colorado, dann Kalifornien und heute Oregon. Neben den Aufnahmen von Häusern, Tankstellen und Straßen vor Landschaften, stehen Fotografien von Bäumen an Weggabelungen, mit Gräsern im Vordergrund, Sträuchern und Waldsäumen, scharf und sachte aufgenommen. Mehrere von Kindern geliebte – weil man gut auf sie klettern kann – Cottonwoodbäume auf ebener Fläche sind zu sehen, Indikatoren von Wasser, einer verdorrt, da die Zuleitungen der Wassergräben gekappt wurden. In die Fußstapfen der großen Landschaftsfotografen tretend fotografierte Adams auch die „grand landscapes“, allerdings mit Augenmerk auf die von Menschen zurückbleibenden Spuren. Traurig richtet er seine Analogkamera auf die Verwüstungen profitorientierter Waldindustrie in Kalifornien, den hinterlassenen Abfall und den Smog über den Städten. Seine Fotografien sind dennoch schön. In Oregon schließlich entstehen Aufnahmen von Wasser und Küste. Dunst, Feuchtigkeit und Wolken vermischen sich über den Wassermassen. Nur ein Moment.      

 

Robert Adams, The Place we live

Fotomuseum Winterthur

Grüzenstr. 44+45, Winterthur.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnserstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 31. August 2014.

 




Fotomuseum Winterthur