11/08/14

Anthropomorphe Zeichen

Eine Ausstellung im Skulpturenpark Heidelberg widmet sich dem Bildhauer Franz Bernhard

von Dirk Martin
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Franz Bernhard, Sitzende, 2006, Foto: Heidelberger Skulpturenpark

Eine Ausstellung im Skulpturenpark Heidelberg widmet sich dem Bildhauer Franz Bernhard

Franz Bernhards umfangreiches bildhauerisches Werk bewegt sich zwischen Figur und abstrahierter, freier Form, was die elf Großplastiken eindrucksvoll verdeutlichen, die auf dem Gelände der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg präsentiert werden. Bernhard (1934-2013), der zu den wichtigsten deutschen Bildhauern der Nachkriegszeit zählt, betonte ganz dezidiert, dass er mit seinem künstlerischen Schaffen den Menschen reflektiere: „Bei den Klassikern findet Abstraktion statt, also eine Bewegung weg von der Figur. In meiner Arbeit vollzieht sich die Bewegung eher in umgekehrter Richtung, also als Bewegung vom Ding zur Figur.“ Für ihn war es wichtig, seine Plastiken als eine „dinghaft-autonome“ Form „abseits eines figürlichen Illusionismus“ zu entwickeln und zu gestalten. Er kehrt den Abstrahierungsprozess der Moderne um und fertigt aus reduzierten Formen seine plastischen Arbeiten als „anthropomorphe Zeichen“, die er mitunter als Liegende, als Stehende, als Sitzende betitelte.

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Franz Bernhard, Großer Kopf schwebend, 2007, Foto: Heidelberger Skulpturenpark

Für Bernhard ist die „Form alles“, und dem Künstler gelingt es in den Plastiken, einer künstlerisch intendierten „Bewegung, die als belebendes Moment die Figur durchzieht und sie trägt“, Ausdruck zu verleihen. Durch eine asymmetrische Anordnung der Formelemente zueinander entstehen eine intensive innere Spannung und eine raumgreifende Dynamik. Die einzelnen additiv aneinandergefügten Teile stehen in einem ausbalancierten Verhältnis von Masse und Volumina, von Gewicht und Gegengewicht, wodurch Bernhards figurative Zeichen lebendig wirkende Silhouetten erhalten und oftmals einen leicht schwebenden Eindruck vermitteln. Den zentralen Aspekt seiner künstlerischen Zielsetzung beschrieb Bernhard wie folgt: „Es geht mir nicht um das Erarbeiten eines ‚Abbildes‘, sondern um die Realisation eines ‚Bildes‘. (…) Das Bild lebt aus sich selbst.“ Deshalb bewegt sich die Rezeption seiner Plastiken zwischen Assoziationen zum menschlichen Körper und eigenen, freien Formschöpfungen des Bildhauers.

Ein weiterer wesentlicher Punkt in Bernhards Kunstschaffen sind die Werkstoffe, denen er den Vorzug gab: Metall, insbesondere Corten-Stahl und Holz. Bei all seinen Plastiken ist der Herstellungsprozess nachvollziehbar, weil der Künstler die Werkzeugspuren, die Schweißnähte und die freiliegenden Schraubenköpfe stehen ließ, da „keinesfalls die Oberflächenstrukturen ästhetisch kalkuliert sind. Sie ergeben sich von selbst während des Arbeitsprozesses. So wie die Sache gemacht ist, sieht sie eben aus und so sieht man sie, und das, was an der Sache gemacht ist, ist ebenfalls ablesbar.“ Der erzählerische Moment der Gestaltung und der Bearbeitung ist durchaus vom Künstler beabsichtigt, womit er den originären und individuellen Charakter seiner Plastiken noch zusätzlich steigerte.

 

Franz Bernhard

Skulpturenpark Heidelberg

Bis 26. Oktober 2014




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