02/10/12

Die Fotografie als Objekt

Im Freiburger Kunsthaus L6 sucht Nine Budde nach Präsentationsformen für das fotografische Bild.

von Annette Hoffmann
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Im Freiburger Kunsthaus L6 sucht Nine Budde nach Präsentationsformen für das fotografische Bild.2681hieristdertodentfernt.jpg

Das Zimmer ist mehr Dunkelkammer als Wohnung. Die Fenster sind verhängt, auf dem Tisch davor befinden sich Entwicklerwannen, mittendrin jedoch dominiert eine kniende Tonfigur den Raum. Es ist ein Selbstporträt von Nine Budde, 1975 in Freiburg geboren und in Berlin lebend. Für ihre Ausstellung „The Day After Tomorrow“ im Freiburger Kunsthaus L6 hat sie eine Schwarzweißaufnahme einer früheren Berliner Bleibe hervorgeholt und den weiblichen Akt darauf gestellt und abfotografiert. Es ist ein durchaus programmatisches Foto, wie alle anderen Arbeiten auch eigens für die von Kathrin Gut kuratierte Einzelausstellung entstanden. Nicht allein, weil Nine Budde sich erneut der analogen Fotografie zugewandt hat, nachdem sie lange performativ und mit Video gearbeitet hat. Auch weil sie eine installative Fotografie betreibt, die auf der Schnittstelle zur Skulptur steht und sich mit der Objekthaftigkeit der Dinge befasst. Für ihre Arbeit „Hier ist der Tod entfernt“ installierte sie erst mittels einer türkisfarbenen Hohlkehle eine Fotostudioatmosphäre und stellte dann eine schwarz gehaltene Silhouette auf, die einen Schatten auf das Papier zeichnet. Obgleich die Hommage an die Landschaft des Schwarzwaldes durch einen stilisierten Baum und einen Bergrücken deutlich zu erkennen ist, hat die Situation etwas Abstraktes.

Tatsächlich präsentiert Nine Budde die meisten ihrer Fotografien in Installationen, die einfache geometrische Formen aufweisen Die Aufnahme der Mutter ist in einen Kreis auf Sperrholz eingefasst, das Selbstporträt mit Tonmaske auf einem winkelförmigen Gestell, daneben steht eine Art Kabelrolle, ebenfalls aus schwarz gestrichenem Holz. Es sind neutrale Formen, die für alle da sind, sagt Nine Budde, die in Weimar an der Bauhaus-Universität studiert hat. Und die Avantgardebewegung der 1910er und 1920er Jahre gehört auch zu den Referenzen ihrer Arbeit. Wären da nicht die Festplatte, die Batterie und der Tablet-Computer, die von Hobeln und anderen ähnlich währschaften Dingen eingeklemmt sind und wäre da nicht die Farbe, man könnte die Serie „Pressure Tools“ durchaus in die Zeit der Neuen Sachlichkeit rücken.

Nine Budde sucht nicht nur die Haptik in der fotografischen Repräsentation von Objekten, sie sucht die Auseinandersetzung mit einer Kunstbewegung, die die Grenze zum Leben sprengen wollte. In einer früheren Arbeit hat sich Budde etwa mit einer Plastik der polnischen Künstlerin Katarzyna Kobro auseinandergesetzt. Nine Buddes Arbeiten sind immer auch Tiefenbohrungen zu verschütteten Zusammenhängen, seien sie biografisch oder kunstimmanent.

Nine Budde, The Day after Tomorrow
Kunsthaus L6

Lameystr. 6, Freiburg.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 4. November 2012.
Kunsthaus L6