03/07/14

Wimmelbild vom Guten und Schlechten

Im Kunstmuseum Thun lädt Marcel Dzama in sein kleines Welttheater des Schreckens

von Florian Weiland
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Marcel Dzama, Hallow Laughter, Kunstmuseum Thun, 2014, Foto: Ian G.C. White

Im Kunstmuseum Thun lädt Marcel Dzama in sein kleines Welttheater des Schreckens

Vorhang auf, Bühne frei! Marcel Dzama (*1974) lädt in sein kleines Welttheater. Groteske Szenen reihen sich aneinander. Eines seiner Dioramen zeigt eine Reihe maskierter Männer, die mit Maschinengewehren in der Hand auf einer Theaterbühne stehen, eine nackte Frau, die uriniert, einen Mann in einem Kellerversteck, der ihren Urin trinkt, und einen schwarzen Hasen, der Pfeife raucht. Ein anderes: weiße Fledermäuse, die einen toten Bären umkreisen. Nicht weniger surreal und irritierend sind die Zeichnungen des kanadischen Künstlers, die auf den ersten, flüchtigen Blick zunächst harmlos wirken. Doch auch hier geht es heftig zur Sache: Wilde Orgien, gequälte Kreaturen und immer wieder maskierte und bewaffnete Figuren.

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Marcel Dzama, Welcome to the land of the Bat, 2008, Courtesy David Zwirner, New York/London; Sies + Höke, Düsseldorf

Dzamas Schau, die auch Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen umfasst, entführt uns in eine abgründige, grausame Welt. Manches erweist sich als belanglose Spielerei, andere Arbeiten wiederum begeistern restlos. „Une danse des bouffons“ etwa, ein Film mit dadaistischen Zügen und voller kunsthistorischer Verweise von Francis Picabia bis Pablo Picasso. Ein erklärtes Vorbild des Künstlers ist auch Marcel Duchamp, mit dem er nicht nur den Vornamen teilt. Stark beeinflusst haben Dzama zuletzt seine Reisen nach Mexiko. Wie unbefangen dort mit dem allgegenwärtigen Tod umgegangen wird, hat ihn beeindruckt und unmittelbar in seinen Dioramen Niederschlag gefunden.

Parallel zu dieser Ausstellung zeigt das Kunstmuseum Thun Arbeiten des Künstlerkollektivs u5 und von Augustin Rebetez sowie die vollständigen Illustrationen Albrecht Dürers zum „Narrenschiff“. Eine perfekte Ergänzung, scheint doch die dort zu entdeckende Bilderwelt der von Dzama durchaus verwandt zu sein. Menschliche Abgründe tun sich auf, wohin man auch schaut. Zu den Höhepunkten von Dzamas Ausstellung gehören die großformatigen Zeichnungen. Herausragend die auf alten Klaviernotenblättern gemalte Massenszene „Grand Presentiments of What Must Come“. Krieg, Terror und Dämonen bedrohen die heile Welt der Zirkusakrobaten und Ballerinas. Ein Wimmelbild, das an eine üppige Operinszenierung erinnert. Die Mächte des Guten und des Bösen stehen einander gegenüber, ähnlich wie in Ambrogio Lorenzettis Renaissancegemälde von der guten und schlechten Regierung. Doch auch in den kleinen Zeichnungen gibt es unendlich viel zu entdecken. Und das ist nicht weniger verstörend. Die Brutalität in Dzamas Bildern erschreckt. Noch erschreckender wird sie dadurch, dass der Künstler seine ausufernden Grausamkeiten in einer betont spielerischen Art und Weise serviert.      

Marcel Dzama

Kunstmuseum Thun

Hofstettenstr. 14, Thun.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 19.00 Uhr.

Bis 17. August 2014.

 




Kunstmuseum Thun