17/06/14

Prozesse auf Abwegen

Der Künstler Raphael Hefti ist immer auf der Suche nach eine rneuen fotografischen und filmischen Bildästhetik

von Yvonne Ziegler
Thumbnail

hefticp.jpg

Raphael Hefti, Bits and Bobs of Experiment, 2014, 
Ausstellungsansicht
 Centre PasquArt 2014,
 Courtesy the artist, 
Foto: Patrick Christe

Der Künstler Raphael Hefti ist immer auf der Suche nach eine rneuen fotografischen und filmischen Bildästhetik

Es lebe die Alchemie. Mit Werken, die Materialeigenschaften, Formfindung und Fertigungsprozesse reflektieren, tritt Raphael Hefti (*1978), Träger des diesjährigen Manor Kunstpreises, im Centre PasquArt auf. Die Überreste eines unbeabsichtigten Eklats begrüßen den Besucher gleich im Entree der Ausstellung. 2008 wollte der Künstler mit einem GPS ferngesteuerten Helikopter und Leuchtkörpern die Berglandschaft im Berner Oberland für einen kurzen Moment erleuchten und diese in einem 16mm-Film dokumentieren. Doch die Sache ging schief, technische Schwierigkeiten führten zu einer Planänderung, ein scharf geschalteter Leuchtkörper, der versehentlich im Kofferraum abgelegt war, wurde bei der anschließenden Fernzündung aktiviert. In Biel liegen nun Reste des ausgebrannten Autos, eine geborgene Tasche und eine Fotografie des Wetterballons, der für frühere Fotoprojekte mit Leuchtkörpern ausgestattet wurde, in einer Vitrine. Und die Dokumentation der Schadensbestimmung durch Versicherung, Polizeiprotokolle und Gutachten bilden einen ungewöhnlichen Ausstellungskatalog. Heftis Suche nach einer neuen fotografischen und filmischen Bildästhetik durch das Experimentieren mit pyrotechnischem Licht ist gerade noch mal gut ausgegangen. Weniger gefährlich war sein Umgang mit hochentzündlichen Lycopodium-Sporen, deren Leuchtkraft Fotopapier belichtete. Sie haben auf großformatigen Blättern seltsame Spuren hinterlassen, informelle Formgesten in Gelb, Rot, Blau oder Schwarz.

heftilycopodium.jpg

Raphael Hefti, From the series Lycopodium, 2013


Der ursprünglich zum Elektroniker ausgebildete Künstler, der in Lausanne und London studiert hat, interessiert sich für industrielle Fertigungstechniken. Zwei große Glasscheiben, die auf seinen Wunsch hin mehrfach mit einer Antireflexionsschicht überzogen wurden, spiegeln den Raum und schillern je nach Lichteinfall regenbogenfarben. Sie negieren damit die ursprüngliche Funktion der Beschichtung. Was in der Industrie als fehlerhaft vernichtet werden würde, wurde für ihn eigens angefertigt. Analog verhält es sich mit mehreren Stahlstäben. Diese setzte er fünf Jahre unterschiedlichen Härtetemperaturen aus bis sie fragil wie Glas wurden und eine aufgebrochene, vom Alter zerfressene Oberfläche aufwiesen. In Performances ließ Raphael Hefti geschmolzenes Metall über Sand rinnen bis es erstarrte. Ähnliches entstand im Atelier, wo er flüssigen Kunststoff aus PET-Flaschen in Formen goss oder im Prozess des Fließens erkalten ließ. Diese eher unförmigen Experimentrelikte bilden ein Sammelsurium von Zwischenzuständen, Bruchstücken und Abfallprodukten und eine wertvolle Ausgangslage für neue Arbeiten. Man merkt deutlich, der Kopf dieses experimentierfreudigen Ideengenerators steht nie still.         

 

Raphael Hefti

Centre Pasquart

Seevorstadt 71-73, Biel/Bienne.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

 




Centre Pasquart