19/06/14

Entdeckungen auf der Unlimited der diesjährigen Art Basel

Die diesjährige Art Unlimited der Art Basel gibt sich luftig und bietet Platz für große Arbeiten

von Annette Hoffmann

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Xu Zhen, Eternity…, 2013/14. Long March Space, Art Unlimited, Art Basel, MCH Messe Schweiz (Basel) AG

Nur zur Erinnerung. Der Parthenon-Fries der Akropolis ist nicht nur ein bedeutendes Zeugnis westlicher Kultur, er ist auch ein ständiger Zankapfel zwischen Großbritannien und Griechenland. Dass die Skulpturen seit 1816 im British Museum gezeigt werden und nicht mittlerweile im Athener Akropolismuseum, ist wohl keine ganz kleine Kränkung für die Griechen. Wen Xu Zhen nun auf die Schultern von Gipsabgüssen einiger Figuren Buddha-Plastiken Kopf stehen lässt, ist das nicht nur ein schönes Bild für kulturellen Eklektizismus, es setzt sich auch auf sehr spielerische Art über sämtliche Konflikte hinweg.

 

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Rosemarie Trockel, As far as possible, 2012, Sprüth Magers, Gladstone Gallery, Art Unlimited, Art Basel, MCH Messe Schweiz (Basel) AG

Ein Raum wie ein Kuriositätenkabinett: ein Plastikbäumchen, das von der Decke hängt, ein Tarantel-Bild und ein Becken an der Wand, das den Ton, aus dem es besteht, wie eine Wolke aussehen lässt. War da nicht eine Bewegung, vage wahrnehmbar aus den Augenwinkeln? Tatsache, der kleine und ziemlich zerzaust wirkende Vogel fährt auf einer Schiene ruckartig hin und her und jetzt zuckt auch der größte der Vögel. Die Voliere bräuchte es nicht, schließlich sind die Vögel, die Rosemarie Trockel zu einer mechanischen Spielerei arrangiert hat, längst tot und ausgestopft. Indem die Kölner Künstlerin ihre Koje mit weißen, steril wirkenden Kacheln versehen hat, darf sich der Betrachter selbst ein bisschen wie ein Tier in einem Käfig vorkommen.

 

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Sudarshan Shetty, Waiting for others to arrive, 2013, Galerie Krinzinger, Gallery SKE,Galerie Daniel Templon, Art Unlimited, Art Basel, MCH Messe Schweiz (Basel) AG

Gut, der Effekt ist voraussehbar. Doch Sudarshan Shettys Videoarbeit „Waiting for others to arrive“ bietet über den simplen Trick der zu Boden gehenden Tasse, einen Einblick in die architektonische Struktur eines Chawls, die immer auch eine soziale ist. Gleich drei Mal nebeneinander zeigt das Video Ansichten dieser Häuserform, die in Indien mehr und mehr abgerissen wird und modernen Gebäuden weicht. Immer verschiebt sich etwas in den Bildern um ein Unmerkliches, mal hat sich ein Rabe lediglich auf einem der Bilder niedergelassen, dann die Frau, die ein traditionelles Instrument spielt. Und dann hat das Rütteln eines kleinen Tischchens schon wieder eine Tasse zu Bruch gebracht.

 

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Tacity Dean, Quatemary, 2014, Niels Borch Jensen Gallery & Editions, Art Unlimited, Art Basel, MCH Messe Schweiz (Basel) AG

Ob diese zu erwartende Apokalypse neues Leben sprießen lässt? Auf ihrer über sechs Meter langen Photogravüre hat die britische Künstlerin Tacita Dean eine Vulkanlandschaft festgehalten, die kurz vor der Explosion zu stehen scheint. Kreideschriftzüge lassen Aschewolken erwarten, die die Erde vom Sonnenlicht abschirmen könnte. Es ist eine mythische Landschaft in Grafittönen, menschenlos und auch menschenfeindlich, aber doch von großer Schönheit. Man hört schon die Höllenhunde.

 

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Christian Marclay, Shake Rattle and Roll (Fluxmix), 2004, Paula Cooper Gallery, Art Unlimited, Art Basel, MCH Messe Schweiz (Basel) AG

Die Museumshandschuhe sind nur Tarnung. Denn eigentlich will Christian Marclay nur spielen und führt 16 Fluxus-Objekte – das Walker Art Center, wo „Shake Rattle and Roll (Fluxmix)“ entstand, hat um die 500 in seiner Sammlung – ihrer eigentlichen Bestimmung zurück. Wenn Marclay nun auf 16 Bildschirmen Schachteln klappern lässt, Papiere hin und her legt, untersucht er nicht nur die perkussiven Qualitäten dieser Fluxus-Zeugnisse, er ist auch ihr Geburtshelfer und weckt sie aus ihrem musealen Schlaf.




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