15/06/14

Erlebnisräume

In Basel hat die Woche der Kunstmessen begonnen - die Art Basel macht mit dem Performanceprojekt "14 Rooms" den Anfang

von Annette Hoffmann
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Allora & Calzadilla, Revolving Door, 2011, 14 Rooms in Basel, Fondation Beyeler, Art Basel, Theater Basel, MVH Messe Schweiz (Basel) AG

In Basel hat die Woche der Kunstmessen begonnen - die Art Basel macht mit dem Performanceprojekt "14 Rooms" den Anfang

Es ist noch ein bisschen hin, bis sich die Art Basel den Pre-Previewern öffnet. Die Halle 3 – und damit das Projekt „14 Rooms“ – hat jedoch bereits den Betrieb aufgenommen. Vergangenen Freitag stellte sich die Zusammenarbeit von Art Basel, Fondation Beyeler und Theater Basel der Presse vor. Dabei war das Podium mit den Kooperationspartnern Marc Spiegel, San Keller, Georges Delnon, den beiden Kuratoren Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist sowie dem Architekten Jacques Herzog derart umfänglich besetzt, dass die beteiligten Künstlerinnen und Künstler angesichts dieser Global Player geradezu in die zweite Reihe traten. Und zu jenen, deren Performances nun in der Architektur von Herzog und de Meuron zu sehen sind und die auch anwesend waren, gehörten doch immerhin Joan Jonas, Tino Sehgal, Santiago Sierra und Laura Lima. Möglicherweise war dies doch konsequent, schließlich haben viele die Performance längst an andere abgegeben, andere wie Marina Abramović praktizieren beide Methoden und welcher Künstler ließe sich - von Marina Abromović einmal abgesehen - schon auf eine zehntägige Ausstellung ein? „14 Rooms“ hat stattdessen gecastet und etwa 70 Performern ist es nun zu danken, dass die 14 Arbeiten annähernd nonstop zu sehen sind. Der Swisslos-Fonds hatte die Performancepräsentation mit 100.000 Franken gefördert.

Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron hat eine verspiegelte Flucht mit sieben Räumen auf jeder Seite für dieses Projekt entworfen, das auf den ersten Moment irritiert und Assoziationen an „Alice im Wunderland“ weckt. Jede Tür, die vor allem durch einen hölzernen Drehknauf kenntlich wird, ist eine neue Möglichkeit. Die 14 Arbeiten spielen gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle, die man als Betrachter von Performances und in Begegnungen mit anderen ebenso haben kann: verschwörerische Nähe, Empathie, Verletzung von Distanz, Verblüffung und Verwunderung. Die schnelle Folge, mit der man hier von einem Raum zum anderen wechseln kann, führt dazu, dass sie sich mitunter aufheben. Bei Roman Ondáks Arbeit „Swap“ wird man durch den Performer in einen direkten Tauschhandel verwickelt, dessen Kette an Gegenständen das Publikum untereinander verbindet. In Tino Sehgals Performance „This is competition“ wird man Zeuge, wie ein aufgekratztes Paar eine Werkschau Sehgals im Pingpong-Modus gibt. Jeder sagt ein Wort und braucht den anderen, um den Satz zu vollenden so unumgänglich wie zwei, die sich küssen – während der angekündigte Kuss der beiden Performer dann doch ausbleibt. Bei Damien Hirst hingegen führen eineiige Zwillinge unter zwei der charakteristischen Spot-Paintings des Briten identische Handlungen aus. Während Allora & Calzadilla in ihrer Arbeit eine Chorus-Line den Raum halbieren lassen und diese den White Cube durch ihre Choreografie nicht nur immer wieder neu organisieren, sondern auch die Betrachter zwingt, sich auf die jeweilige Situation neu einzustellen. Zudem sind mit Arbeiten von Marina Abramović, Joan Jonas und Bruce Nauman Werke vertreten, die eine historische Perspektive einziehen. Und dennoch können auch diese Arbeiten nicht die verstörende Wirkung vermitteln, die Performances einmal gehabt haben müssen. Man vermisst einen analytischen Zugang und doch auch etwas mehr Wagemut, was die Auswahl der kuratierten Künstlerinnen und Künstler angeht. Unbekanntere Positionen sind hier kaum zu finden. „14 Rooms“ will dann doch eher ein Erlebnisparcours sein.

14 Rooms

Halle 3, Messe Basel.

Täglich 10.00 bis 19.00 Uhr, außer Montag, 16. Juni 2014 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

 

 

 




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