16/06/14

Print ist die neue Grafik

Die Art Book Fair Basel „I Never Read“ lässt vermeintlich Anachronistisches sehr zeitgemäß wirken

von Annette Hoffmann
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I Never Read, Art Book Fair, 2013

Die Art Book Fair Basel „I Never Read“ lässt vermeintlich Anachronistisches sehr zeitgemäß wirken

Die ersten Male konnte einen noch der Zufall führen. Doch im dritten Jahr des Bestehens der Art Book Fair Basel „I Never Read“ gibt es keine Ausrede. Die Messe für Kunstbücher, Magazine, Monografien, Zines und Buchkunst im weitesten Sinn hat sich etabliert. Nachdem die erste Ausgabe noch im Basler Off-Space Hinterhof stattfand, wanderte sie im letzten Jahr ins Volkshaus und befindet sich so auf halbem Weg zwischen Art Basel und Liste. Tatsächlich ist das Volkshaus nicht der schlechteste Ort für eine Messe, die sich niederschwellig gibt, die eher mit tiefen Standmieten kalkuliert ist und nicht einmal Eintritt kostet. Und fast sieht es so aus, „I Never Read“ habe bereits die zuletzt eher glücklos agierende Grafikmesse abgelöst, die in früheren Jahren parallel zur Art Basel stattfand. Nur mit einem deutlich jüngeren Publikum und einer Ästhetik, die vermeintlich anachronistisch ist, aber eben doch auf der Höhe der Zeit. Das mag mit der derzeitigen hohen Wertschätzung des Handwerklichen und der Sehnsucht nach Authentizität zu tun haben. Das mag mit dem Enthusiasmus zusammenhängen, mit der die drei Organisatoren Eveline Wüthrich, Johannes Willi und Thomas Keller am Werk sind. Das mag nicht zuletzt damit zu tun haben, dass Kunstmessen Nachfragen wecken, die nicht jedes Konto erfüllen kann. Aber ein Buch, ein Magazin oder eine Edition, das geht immer. „Man kann auf der ‚I Never Read‘ etwas für fünf, 50 oder 500 Franken finden“, sagt Eveline Wüthrich.

 Renommierte Verlage und Magazine wie der Christoph Merian Verlag, das Kunst Bulletin, Texte zur Kunst oder Sleek Magazin finden sich hier ebenso wie Zines und Editionen, die mit viel Aufwand und Herzblut von Ein-, Zwei-Mann-Unternehmen hergestellt werden. Unter den 90 Aussteller – die Messe hat sich in diesem Jahr so gut wie verdoppelt – ist etwa der Basler Simon Krebs mit seinem Büro für Problem dabei, der mit dem Risographen Bibliophiles in Kleinstauflagen schafft oder der Zürcher Amsel Verlag. Einen Schwerpunkt bildet japanische Papierkunst. Denn die Lust am Gedruckten ist kein lokales, nicht einmal ein europäisches Phänomen. Warum eigentlich? „Gedrucktes ist etwas Konstantes, es ist weniger vergänglich als eine Ausstellung“, vermutet Eveline Wüthrich. Im Februar war „I Never Read“ auf der Messe Printed Matter’s in Los Angeles vertreten, bald soll es nach Tokyo gehen.

I Never Read. Art Book Fair Basel, Opening, 18. Juni 2014, 18.00 bis 22.00 Uhr.

Volkshaus, Rebgasse 12-14, Basel.

Öffnungszeiten: Mittwoch 18.00 bis 22.00 Uhr, Donnerstag bis Samstag 16.00 bis 22.00 Uhr.

Bis 21. Juni 2014.





I never Read