19/06/14

Giacomo Santiago Rogado

Die Malerei von Giacomo Santiago Rogado befindet sich an der Grenze von Kalkül und Zufall

von Yasmin Afschar
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Giacomo Santiago Rogado, Shift, 2014, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich

Die Malerei von Giacomo Santiago Rogado befindet sich an der Grenze von Kalkül und Zufall

Totgesagt und wieder auferstanden – dieses Schicksal ist der Malerei schon oft widerfahren. Jüngst feiert sie ihr neuestes kleines Revival, diesmal mit auffallend vielen jungen Kunstschaffenden. Zu ihnen zählt auch Giacomo Santiago Rogado (*1979). Aber mehr als dass er sich lediglich des altehrwürdigen Mediums bedient, stellt er es in den Mittelpunkt seines Schaffens. Es geht in seiner Arbeit um die Konzepte, Erscheinungsweisen und Verfahren der Malerei und, ganz zentral, um ihre Wirkung auf den Betrachter. Rogado strebt mit seinen illusionis­tischen Bildern eine Verfeinerung der Wahrnehmung an. Sie flimmern vor unseren Augen, oszillieren, verschwimmen, manchmal entschwinden sie gar. Ihnen liegen unterschiedlichste Bildtraditionen zugrunde: die illusionistische Bildkraft des Barocks, romantisches Gedankengut, surrealistische Traumbilder oder auch die konstruktive Formensprache der 1950er-Jahre. Was er mit diesen historischen Bildfragmenten anstellt, geht übers Zitieren hinaus. Ziel und Zweck ist das Ausloten der Möglichkeiten der Malerei: Figuration und Abstraktion führen ein symbiotisches Zusammenleben, Malerei schliesst Zeichnung nicht aus, Farbe und Farblosigkeit dürfen im stillen Nebeneinander funktionieren.

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Giacomo Santiago Rogado, Intuition 8, 2014, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich

Auch in seinen neuesten Arbeiten kombiniert Rogado unterschiedliche Ansätze. Wie ein roter Faden tauchen amorphe Farbflecken auf, wie kleine Farbexplosionen, die auf die Leinwand gebannt, den flüchtigen Moment, den sie implizieren, überdauern. Die Bildformen entstehen nicht durch additiven Farbauftrag, sondern durch die direkte Bearbeitung des Bildgrundes, einer Baumwolle, die Rogado in nassem Zustand mit Pigmenten bestreut. In Arbeiten wie „Meta“ oder „Shift“ lagert Rogado den diffusen Wolken als Farbschichten erkennbare geometrische Gitterstrukturen und Flächen vor. Durch ihre plastische, gleichsam reliefartige Qualität markieren sie einen vollkommen gegensätzlichen Bildraum – Präzision und Zufall, Handfertigkeit und Experiment verbinden sich in ein und demselben Bild. 

        

Giacomo Santiago Rogado bei Mark Müller,

Art Basel, Halle 2.1., Stand P8, Messe Basel.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

19. bis 22. Juni 2014.