16/06/14

Jessica Pooch

Jessica Pooch: Die Informationspoltik des Unscheinbaren

von Dietrich Roeschmann
Thumbnail

pooch1.jpg

Jessica Pooch, Internally, 2014, courtesy the artist

Jessica Pooch: Die Informationspoltik des Unscheinbaren

Eine der Grundvoraussetzungen der menschlichen Wahrnehmung ist die Ignoranz. Logisch – ansonsten würden wir uns schön verzetteln zwischen all den Dingen, die unsere Aufmerksamkeit wollen. Dass sie überhaupt existieren, fällt oft erst auf, wenn sie fehlen. Jessica Pooch (*1982) hat ein Faible für solche unscheinbaren Objekte, die uns im öffentlichen Raum umgeben. Was die in Berlin geborene und in Zürich lebende Künstlerin interessiert ist, auf welche Weise sich spezifische Funktionen in ihnen materialisieren und dadurch Räume und Grenzen definieren. Im Rahmen der Diplomausstellung der Zürcher Hochschule der Künste, an der sie zunächst Fotografie studierte und 2012 ihren Master in Fine Arts machte, zeigte Pooch mehrere Skulpturen aus Edelstahlrohren, wie sie für Geländer im Außenraum verwendet werden. Die Handläufe, die sie daraus bog, führten ihre raumlenkende Funktion jedoch ab absurdum: Statt Bewegung zu kanalisieren, wurden sie selbst zum Gegenstand einer eigenwilligen Choreografie, die Pooch den Geländern, ausgehend von den imaginierten Bewegungsabläufen eines potenziellen Nutzers, aufnötigte.

Ähnlich konsequent unterzieht Pooch auch andere Dinge des täglichen Lebens einer Untersuchung der in ihre selbstverständliche, fast beiläufige Präsenz eingeschlossenen Informationen über gesellschaftliche Themen wie Kontrolle, Wachstum, Leistung oder Sicherheit. Die Resultate sind oft kluge und kurzweilige Paradoxien: Im Helmhaus Zürich etwa zeigte sie 2013 eine Serie von mit Fahrradschlössern gesicherten Glastüren, während ihre akustisch animierte Wandarbeit „Internally“ (2014) der Frage der Selbstoptimierung im Spannungsfeld von Werbeästhetik, Social Media und Selbsterfahrungsbericht nachgeht.          

 

Jessica Pooch an den Swiss Art Awards 2014, Messe, Vernissage: 16. Juni 2014, 17.00 bis 21.00 Uhr.

Messe, Halle 4, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 19.00 UHr.

Bis 22. Juni 2014.