16/06/14

Jana Euler

Jana Euler: Malerische Reflexionen sozialer Prozesse in der Kunstwelt

von Leon Hösl
Thumbnail

janaeulerquer.jpg

Jana Euler, Social Expectations Overpainted, 2012 Courtesy the artist & Real Fine Arts, Brooklyn

Jana Euler: Malerische Reflexionen sozialer Prozesse in der Kunstwelt

„The whole network is important! Even spaghettini“ war sich Martin Kippenberger in Bezug auf Malerei sicher. Und der US-Kritiker und Kunsthistoriker David Joselit fundierte diese Aussage mit seinem vielbeachteten Aufsatz „Painting Beside Itself“, in dem er versucht, Phänomene zeitgenössischer Malerei zu fassen, die ihre institutionellen und sozialen Bedingungen auf der Leinwand reflektieren. Um Netzwerke geht es auch Jana Euler (*1982). Zwar sind keine Spaghettini in ihrer Malerei zu finden, dafür Diedrich Diederichsen, Wolfgang Tillmans, Daniel Birnbaum oder Ruth Noack. Mit diesen Porträts, die 2009 im Wiener Offspace Pro Choice gezeigt wurden, machte Euler erstmals auf sich aufmerksam. Die zentralen Figuren der „art world“ sind mit intensivem Blick, wilder Gestik und vor schrillen, phantastisch kitschigen Landschaften dargestellt. Dabei gehören nur die Köpfe der Kunstwelt-Prominenz, die Körper stammen von damaligen Studienkollegen der Künstlerin in der Frankfurter Städelschule. Diese drängen mit ausladenden Bewegungen in Richtung des Betrachters, bleiben dabei jedoch ohne eigenes Gesicht. Die grinsenden Arrivierten dominieren den Diskurs, den Markt, die Institutionen und es führt kein Weg an ihnen vorbei.

Es ist ein viel diskutiertes Thema unseres Informationszeitalters, dass eine aktive und beruflich erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft ohne permanentes „networken“ und ein hohes Maß an Flexibilität nahezu hoffnungslos ist. Jana Eulers Malerei beschreibt einerseits karikierend diese Zustände als Zwang zum Individualismus bei gleichzeitiger Konformität, versteht sich aber auch selbst als Teil dieser Netzwerkstruktur: die Arbeiten weisen oft einen starken Bezug zum jeweiligen Ausstellungsort auf und versuchen durch Schichtungen verschiedene Motivebenen in der Schwebe zu halten. So verfügen die Arbeiten über ein multiples Identitätsgerüst, das den Ansprüchen eines neoliberalen Anforderungsprofils nicht unähnlich ist. Euler macht sich dabei den unklaren Status der Malerei zwischen künstlerischem Produkt und Quasi-Subjekt zunutze – die Leinwand selbst wird zum Akteur auf dem Prozesse identitätsformender Netzwerke ablesbar werden. 

Jana Euler bei Real Fine Arts (Brooklyn),

Liste 19 – Art Fair Basel, Vernissage: 16. Juni 17.00 bis 21.00 Uhr.

Warteck PP, Burgweg 15, Basel.

Bis 22. Juni 2014.

Kunsthalle Zürich, 30. August bis 9. November 2014.