11/10/12

Pingpong zwischen Körper und Fläche

Im Künstlerhaus Stuttgart ist die Einzelschau des Peter-Hans-Hofschneider-Preisträgers Pedro Wirz zu sehen.

von Annette Hoffmann
Thumbnail

Im Künstlerhaus Stuttgart ist die Einzelschau des Peter-Hans-Hofschneider-Preisträgers Pedro Wirz zu sehen.9196pedro_wirz_mg_8728.jpg

Das müssten sie sein: jene 243 Werkabbildungen, die Pedro Wirz den Kuratoren John Beeson, Giovanni Carmine, Rebecca Lamarche-Vadel und Carson Chan vorgelegt hat. Es sind allesamt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Pedro Wirz zusammengearbeitet hat. Sei es bei dem Projekt „The forever ending story“, das der Basler Künstler zusammen mit Raphael Linsi, Tilman Schlevogt und Claudio Vogt organisiert oder einer anderen Ausstellung der letzten Jahre. Zu sehen ist jeweils eine Ansicht auf wenige Zentimeter kondensiert und in schier unendlicher Reihung. Im Künstlerhaus Stuttgart, wo nun die Einzelschau von Pedro Wirz anlässlich des Peter-Hans-Hofschneider-Preises 2011 gezeigt wird, füllen sie als Tapete Wände. Nicht selten bilden sie im Zusammenspiel mit Weißraum grafische Muster. Diese Kanten, wenn nicht gar Zacken, sind überhaupt das bestimmende Element im Raum. Sie finden sich auch in den Displays wieder, auf denen die Werkabbildungen arrangiert sind.

Pedro Wirz‘ künstlerische Praxis ist die des Kuratierens und des Netzwerkens. „Curated Sculptures“ nennt er seine Kollaborationen mit Freunden, Familienmitgliedern, Bekannten und Künstlerkollegen. Bereits während seines Studiums an der FHNW Basel, das auf ein Erasmusstipendium an der Stuttgarter Akademie folgte, begann er so zu arbeiten. Ein wenig hat dieses Konzept, das die Grenzen von Autorschaft verschiebt, immer etwas von Pingpong. Für einen guten Return muss man die Dynamik des Mitspielers zu nutzen wissen. Pedro Wirz, 1981 in São Paulo geboren, ist jemand, der Energie auf diese Weise kanalisieren kann. „Not the New, Not the Old, But the Necessary“ geht über das Erzählen von persönlichen Netzwerken und Beziehungen hinaus. Seine Stuttgarter Einzelschau setzt bei der Papierfalttechnik des Origami an, die Pedro Wirz als Jugendlicher faszinierte. Er macht daraus eine soziale Praxis, indem er mit Origami Deutschland zusammengearbeitet hat. Die Displays sind eigentlich Faltobjekte, manche scheinen an einer imaginären Symmetrieachse gespiegelt, andere wirken wie dysfunktionale architektonische Elemente. Immer jedoch befinden sie sich auf dem Grat zwischen Körper und Fläche. Auf den Blechobjekten liegen Ausdrucke der ausgewählten Arbeiten auf. Zusammen mit der Fototapete mit den Abbildungen der Werke, die zur Wahl standen, bekommt diese Installation etwas ausgesprochen Grafisches, etwas das auf sinnfällige Weise Zusammenhänge schafft. Denn tatsächlich sind es eigentlich untergeordnete Präsentationformen, die zur Skulptur werden, während die zu präsentierende Arbeit zweidimensional und auf die Ansicht reduziert bleibt, die auf der Abbildung zu sehen ist. Im Gegenzug haben die Mitglieder von Origami Deutschland aus Seiten aus Kunstmagazinen Objekte wie Frösche, Kraniche oder Leuchttürme gefaltet, zu denen sie sich von den Werkfotografieren inspirieren ließen. Das Werk in seiner reproduzierten Form bringt so erneut ein dreidimensionales Objekt hervor. Fläche und Körper aber stehen in jeder Falte von „Not the New, Not the Old, But the Necessary“ im ständigen Wechselspiel miteinander.

Pedro Wirz, Not the New, Not the Old, But the Necessary.
Künstlerhaus Stuttgart

Reuchlinstr. 4b, Stuttgart.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15.00 bis 19.00, Samstag und Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 28. Oktober 2012.
Künstlerhaus Stuttgart