14/06/14

Hannah Weinberger

Die Schweizer Sound- und Installationskünstlerin thematisiert in ihren Arbeiten Vorstellungen von Kollaboration und Örtlichkeit

von Fiona Hesse
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Hannah Weinberger,
When You Leave, Walk Out Backwards, So I’ll Think You’re Walking In, 2012
, Multi-Kanal-Soundinstallation, 
Dimensionen variabel
, Installationsansicht Kunsthalle Basel, 29. Januar bis 18. März 2012, 
Foto: Gunnar Meier
, Courtesy: die Künstlerin und Freedman Fitzpatrick, Los Angeles

Die Schweizer Sound- und Installationskünstlerin Hannah Weinberger thematisiert in ihren Arbeiten Vorstellungen von Kollaboration und Örtlichkeit

Wer in diesem Jahr die Frieze New York besuchte oder den Shuttleservice nutzte, um auf die Manhattan vorgelagerte Insel Randall‘s Island zu gelangen, konnte an einer Audiostation oder in der Limousine verschiedenen künstlerischen Klangprojekten lauschen. Hannah Weinbergers Beitrag „Hey“ war dabei sehr persönlicher Natur: Der Bass ihrer Komposition bestand aus der Frequenz des Herzschlags ihres ungeborenen Kindes, den sie durch künstliche und natürliche Klänge zu einer Klangcollage erweiterte. Insbesondere das kommerzielle Kunsttreiben im Messezelt wurde dadurch um mehr als nur eine auditive Dimension erweitert. Momente der Selbstreflexion waren ebenso möglich, wie die sinnliche Erfahrung sozialer Interaktion, welche ein wichtiges Thema in den Arbeiten von Weinberger (*1988) ist. Viele ihrer Werke schließen die Arbeiten der mit ihr ausgestellten Künstler mit ein, beziehen sich auf sie oder bedürfen gar ihrer Mitarbeit. 2011 gründete sie zusammen mit Tenzing Barshee, Nikola Dietrich und Scott Cameron Weaver den Projektraum Elaine im Innenhof des Museums für Gegenwartskunst Basel, der bis Ende 2013 das zeitgenössische Kunstangebot der Stadt bereicherte.

An der Zürcher Hochschule der Künste führte sie 2009 ihr digitales „Interdisziplinäres Konzert“ auf, deren Mitwirkende die Klänge mit dem Programm GarageBand jeweils am Laptop generierten. Die vielen, miteinander verbundenen Computer und die sie bedienenden Menschen ließen ihre Aktion wie einen musikalischen Gegenpol zu den mittlerweile fast verschwundenen LAN-Parties anmuten und erinnerten gleichzeitig an die Fluxuskonzerte von John Cage. Tatsächlich sind Weinbergers Arbeiten von dem britischen Improvisationsmusiker Cornelius Cardew inspiriert, der einst als Korrepetitor an der europäischen Erstaufführung von John Cages Klavierkonzert beteiligt war. Besonders ihre früheren Arbeiten zeugen von einer intensiven Nutzung und Auseinandersetzung digitaler Medien, wie man den Titeln „Social Network“ (2009) oder „Google“ (2008-10) entnehmen kann. Als Kind der sogenannten Computergeneration liegen Weinberger die Neuen Medien nahe, und doch mischt sie manchmal auch ihre eigene Stimme sowie Musikinstrumente unter die elektronischen Beats, wie bei ihren Stücken „Jam Session“ oder „Corso Multisala“ von 2011.

Ihre erste Einzelausstellung hatte sie 2012 in der Kunsthalle Basel mit „When You Leave, Walk Out Backwards, So I’ll Think You’re Walking In“. 22 Stunden Sound in elf Loops auf elf Kanälen verwoben sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Länge zu immer neuen Klangcollagen, deren Dichte man als Besucher bzw. Zuhörer durch sein eigenes Gehen und Bewegen in den Ausstellungsräumen ein stückweit beeinflussen konnte. Die Präsentation ihrer Klangarbeiten in der Ausstellung bekam durch die Positionierung der Lautsprecher und die abgehängten Wände durch weiße Tücher eine zusätzliche, fast skulpturale Präsenz. Das Auge hörte mit, während die Grenzen zwischen Ausstellungsraum und Konzertsaal sich aufzulösen schienen. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich Hannah Weinberger vermehrt mit Steinen als Resonanzkörpern. Haben Steine eine akustische Erinnerung? Und wenn ja, was würden wir hören? Für die Ausstellung „Elevation 1049“ 2012 in Gstaad höhlte sie Bruchsteine aus und ließ die Schallwellen ihrer Kompositionen zwischen Magneten im Inneren des Gesteins ihren Weg finden. Mit „Untitled“ (2013) brach sie nicht nur mit herkömmlichen Vorstellungen von Audio Equipment, sondern hauchte Stein – der vermeintlich leblosen Materie – Leben ein und gab den Jahrtausende alten Brocken eine Stimme. Für den Herbst 2014 plant das Kunsthaus Bregenz die Präsentation neuer Arbeiten, in denen Hannah Weinberger das Medium des Films in ihre Installationen integriert. Ebenso wie ihre akustischen Collagen thematisieren diese Videos Vorstellungen von Kollaboration und Örtlichkeit und erforschen das Potenzial digitaler Videoproduktion.         

Hannah Weinberger bei Freedman Fitzpatrick (Los Angeles),

Liste 19 – Art Fair Basel, Vernissage: 16. Juni 2014, 17.00 bis 21.00 Uhr

Warteck PP, Burgweg 15, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13.00 bis 21.00 Uhr, Sonntag 13.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

Swiss Art Awards 2014, Vernissage: 16. Juni 2014, 18.00 Uhr

Messe Basel, Halle 4, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10.00 bis 20.00 UHr, Sonntag 10.00 bis 19.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

Kunsthaus Bregenz, 18. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015.