11/06/14

Es braucht Raum für das Experiment

Sieben Stockwerke für die Fotografie: Ein Projekt in Zürich macht es möglich

von Annette Hoffmann
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Romano Zerbini

Sieben Stockwerke für die Fotografie: Ein Projekt in Zürich macht es möglich

Was die Photobastei genau ist, kann Romano Zerbini auch nach der Halbzeit nicht definieren: Galerienmesse, Pop-up-Location, Museum, Event? Fest steht: Sie ist derzeit das größte Forum für Fotografie in Zürich. Annette Hoffmann sprach mit dem Kulturmanager Romano Zerbini über das Projekt, das bis Ende August das Hochhaus in der Bärengasse belebt.

 

Artline: Wie lang war der Vorlauf für die Photobastei?

Romano Zerbini: Im Juli habe ich mit einem Immobilienentwickler über das Projekt gesprochen und im November 2013 fiel die Entscheidung. Wir hatten dann knapp zwei Monate Zeit. Das ist sehr kurz, bedenkt man, dass das Haus sieben Stockwerke hat und jede Menge Zwischenwände und Zwischenböden. Das alles musste raus und sehr viel Holz verbaut, 300 Lampen installiert und fünf Kilometer Kabel verlegt werden.

 

Artline: Die Photobastei setzt auf eine Durchmischung sowohl was die Akteure als auch die Formate angeht. Droht da nicht Beliebigkeit?

Romano Zerbini: Dass wir ein ganz breites Publikum haben, das sich mit Fotografie auseinander setzt, kann nur von Vorteil sein. Auf der anderen Seite muss das, was gezeigt wird, eine Linie haben. Wir – Melody Gygax, Sascha Renner und ich – kuratieren zu dritt und am Anfang waren wir netter als jetzt. Gegenwärtig weisen wir etwa 80 Prozent der Anfragen zurück.

 

Artline: Mit fünf Franken pro Laufmeter sind die Mieten sehr günstig, gleichzeitig sind Sie auf der Suche nach Unterstützern. Haben Sie nicht falsch kalkuliert?

Romano Zerbini: Das Haus besteht, weil es Fotografen gibt, die Geld in die Hand nehmen, um auszustellen. Das an sich ist schon ein Widerspruch, der auf einen Mangel hinweist. Ich wollte nicht teurer vermieten, um niemanden zu zwingen, verkäufliche Arbeiten zu zeigen. Betriebswirtschaftlich steht die Photobastei auf drei Pfeilern. Einerseits die Bar, andererseits die Vermietungen und drittens die Sonderausstellungen. Bei der Bar und den Sonderausstellungen sind wir unter dem Budget. Wegen der Gratisangebote ist das Publikum nicht bereit für Sonderausstellungen zu zahlen. Das Fundraising ist vor zwei Wochen angelaufen und mittlerweile haben wir 20.000 Franken eingenommen.

 

Artline: Wird es Folgeprojekte geben?

Romano Zerbini: Das weiß ich noch nicht. Ich muss erst schauen, ob ich die Finanzierung stemmen kann. Ob das Projekt als Marke weitergeführt werden kann, ist eine schwierige Frage. Der temporäre Charakter hat sehr viel Energie ausgelöst. Ob sich so etwas Spontanes „institutionalisieren“ lässt, ist mir heute noch nicht klar. Klar ist hingegen, dass es in Zürich unbedingt mehr Raum für das Experiment braucht. Es braucht Orte für die Fotografie, wo man als Fotograf auch scheitern darf – Orte, in welchen nicht alles schon „fertig“ und „verkaufsfähig“ sein muss. Ansonsten fehlen die Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Photobastei

Bärengasse 29, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12.00 bis 21.00 Uhr.




Photobastei