10/06/14

Roland Roos

Kunst der Grenzüberschreitung. Der junge Luzerner Künstler Roland Roos sucht ungewöhnliche Lösungen für banale Probleme

von Aline Juchler
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Roland Roos, Backsteinwand, 2013

Kunst der Grenzüberschreitung. Der junge Luzerner Künstler Roland Roos sucht ungewöhnliche Lösungen für banale Probleme

Handwerk, im Sinne von Hand anlegen, montieren, transportieren, verputzen und schrauben, ist noch keine Kunst. Es sind aber genau diese Handlungen, ohne welche Roland Roos (*1974) seine Konzepte nicht realisieren könnte. Am Anfang einer neuen Arbeit steht das genaue Studieren eines Ortes und des dazugehörenden Umfelds. Roos‘ Werke sind immer Ergebnisse einer Aktion oder eines Prozesses, die den Anspruch haben, grössere Zusammenhänge darzulegen. So verlegte er einmal eine Leitung für eine neue Steckdose inmitten einer Wand der Stadtgalerie Bern, um Strom zu haben für einen kleinen Videomonitor. Auf diesem war im Loop ein Film zu sehen, der eins zu eins die Arbeitsschritte von Roos dokumentierte, welche nötig waren, um die besagte Steckdose zu montieren. Ein Mise en abyme, das sowohl den Ausstellungsraum thematisiert, der ständig den ausgestellten Werken angepasst werden muss als auch die Art von Arbeit zeigt, welche normalerweise für die Besucher unsichtbar bleibt.

Weiter liegt den Werken von Roos das Einbeziehen verschiedener Kollaborateure zugrunde. Dafür steht die Arbeit „Verde Mare“ exemplarisch. Ursprünglich war es die Bezeichnung eines bestimmten Farbtones einer Spezialedition von Fiat für ihr Kleinwagenmodell „Panda“, das 1992 erstmals produziert wurde und sich in Italien grosser Beliebtheit erfreute. Roos kaufte sich ein solches Auto 2013, zu Beginn seines Stipendienaufenthalts in Genua, und zerlegte es in handgepäckgrosse Teile. Er gab diese Stücke während drei Monaten denjenigen, die ihn in Genua besuchten, auf den Heimweg mit. Nach 44 Rückfahrten war der Fiat komplett in Zürich angekommen und Roos baute ihn im Helmhaus Zürich für eine Ausstellung wieder zusammen.

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Roland Roos, Verde Mare (Bettina), 2013, Courtesy the artist

Ihn interessiert an solchen Projekten, dass er alles Denkbare bewerkstelligen kann, indem er es komplett anders angeht, als erwartet wird. Wie transportiert man ein Auto über eine Grenze, ohne Papiere, ohne Autonummer, ohne grössere Kosten? Zeit und organisatorischen Aufwand scheut Roos nicht – fast schon hartnäckig möchte er den Beweis erbringen, dass in einer Gesellschaft mit stark geregelten Abläufen Dinge möglich sind, welche auf den ersten Blick keinen wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen. Mit so grossen Gesten wie „Verde Mare“ zeigt Roos auf die vielen Möglichkeiten, wie vermeintlich gefestigte Strukturen mit Kreativität und Ausdauer unterlaufen werden können. Dabei bewegt er sich manchmal im Grenzbereich zwischen künstlerischen Interventionen und sozialem Engagement. Das Zürcher Projekt Milchbar war beispielsweise inspiriert von Erfahrungen als Künstler, aber er selbst bezeichnete es nie als Kunstaktion. Es war die simple und erfolgreiche Umsetzung der Idee eine Lücke zu füllen, indem er einen tagsüber leerstehenden Clubraum zu einer günstigen Mittagsküche umfunktionierte. Er nahm so Einfluss auf Gewohnheiten der Menschen, auf ein Quartier, auf die festgesetzte Meinung, dass so etwas nicht rentieren würde. Roos’ Arbeiten stehen nie abseits vom Alltag, von wirtschaftlicher Realität und gesellschaftlicher Konventionen – durch sie hindurch erprobt er mit seinen Konzepten Grenzüberschreitungen.            

Roland Roos: Manor Kunstpreis Zentralschweiz 2014. Vernissage: 13. Juni 2014, 18.30 Uhr

Kunstmuseum Luzern

Europaplatz 1, Luzern.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.

14. Juni bis 14. September 2014.

 




Kunstmuseum Luzern