05/06/14

Ornithologen unter sich

Die amerikanische Fotografin Taryn Simon erzählt die Geschichte des James Bond

von Annette Hoffmann

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Taryn Simon: Birds of the West Indies, Hatje Cantz, Ostfildern 2013, 440 S., 68 Euro | 95 Franken

Die amerikanische Fotografin Taryn Simon erzählt die Geschichte des James Bond

Die Geschichte von James Bond, so ist Taryn Simon überzeugt, ließe sich ohne weiteres anhand der Bond-Girls, Waffen und Fortbewegungsmittel erzählen. Schließlich sei 007 nicht mehr als eine attraktive Oberfläche, die nur im Zusammenspiel mit diesen drei Faktoren Variationen der immer gleichen Erzählung generieren könne. Die amerikanische Fotografin hat sich für ihre Arbeit „Birds of the West Indies“ auf die Suche nach den Schauspielerinnen, den Requisiten, Autos und Booten gemacht, die den Filmen ihren eigentlichen Sex-Appeal gaben. In ihrem Künstlerbuch kreuzt Simon das Bestimmungsbuch des Autors James Bond „Birds of the West Indies“ mit der Kunstfigur Ian Flemings. Sie orientiert sich am Originalcover und übernimmt den Index. Während die Schauspielerinnen nach Gusto posieren durften, inszeniert Taryn Simon all die Behälter für nukleares Material, die Taranteln und Aston Martins aufgeladen wie Reliquien. „Birds of the West Indies“ untersucht die Macht von Taxonomien und Fiktionen und erzählt von der relativierenden Kraft der Zeit.




Hatje Cantz