26/05/14

Ein Haus für die Kunst

Ein Prachtband in Wort und Bild erzählt von Künstlerhäusern

von Annette Hoffmann

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Tempel des Ich: Das Künstlerhaus als Gesamtkunstwerk, Hatje Cantz, Ostfildern 2013, 376 S., 49,80 Euro | 69 Franken

Ein Prachtband in Wort und Bild erzählt von Künstlerhäusern

Zugegeben, eine Reise zu den 20 hier vorgestellten Künstlerhäusern wäre noch toller. Aber die Bilder, die Beschreibungen und einführenden Texte sind auch schon ziemlich gut. Acht Jahre nach der Renovierung und Wiedereröffnung der Villa Stuck hat das Münchner Ausstellungshaus den Vergleich gewagt und porträtiert 19 Künstlerhäuser, erzählt Lebensgeschichten und wie sich das Bild des Künstlers in der Gesellschaft veränderte. Dass sich überproportional viele in England, insbesondere in London finden, ist kaum überraschend. Es ist einfach eine Frage der Exzentrik.

Nicht immer bauten sich Künstler derartige Tempel des Ichs, die den sozialen Status, aber auch das kreative Ingenium abbildeten. Während des Klassizismus verstanden sich die Künstler als unbehaust und ständig auf Reisen. Dass sie nicht in ihren Ateliers wohnten, hatte auch praktische Gründe, viele der verwendeten Materialien waren giftig. Der üppig ausgestattete Band beginnt mit dem Sir John Soane’s Museum in London, das zeigt, wie sehr die Ausstattung der Villen mit der Reisetätigkeit ihrer Erbauer zusammenhängt. Nach einer zweijährigen Grand Tour etablierte sich Soane Endes des 18. Jahrhunderts als Architekt und schuf um seine Gemälde- und Antikensammlung ein Ordnungssystem und ein Haus, das zu seinen Lebzeiten bereits der Öffentlichkeit zugänglich war. Andere wie Mortimer Menpes richteten sich japanisch ein, Louis Comfort Tiffany sammelte islamische und chinesische Kunst. Ein Prachtband, bei dem die Texte den Bildern in nichts nachstehen.




Hatje Cantz