20/05/14

Darstellung reiner Empfindung

Das Kunstmuseum Basel zeigt Papierarbeiten von Kasimir Malewitsch

von Yvonne Ziegler

malewitsch.jpg

Kasimir Malewitsch, Das zweite suprematistische grundlegende Element, 1927, Kunstmuseum Basel

Das Kunstmuseum Basel zeigt Papierarbeiten von Kasimir Malewitsch

Als hätte Kasimir Malewitsch (1879-1935) geahnt, dass sein „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“ aus dem Jahr 1915 zu einer Inkunabel der Kunstgeschichte werden würde, hängte er es in der „Letzten futuristischen Ausstellung 0,10“ in jenen oberen Winkel, der Ikonen vorbehalten war. Gleichsam schwebend im weißen Nichts seiner Umrandung sollte das schwarze Viereck (!) eine ungegenständliche Darstellung reiner Empfindung sein. Eine Grundform, die lediglich einen Moment der Ruhe abbildet, aus der sich andere suprematistische Formen wie Kreuz oder Kreis ergeben können.

Im Kunstmuseum Basel wird jenes Konvolut von Blättern ausgestellt, das er für seine Schrift zur Theorie des Zusatzelements und des Suprematismus nutzte und das aufgrund des russischen Veröffentlichungsverbots 1927 in Deutschland als Teil der Reihe der Bauhausbücher erschien. Wie die neuste Forschung ergab, zeichnete er jenen Teil von Blättern, auf denen sich neben Zeichnungen suprematistischer Formen russische Titel, Jahresangaben der Ursprungsbilder und editorische Hinweise befinden, in Berlin. Dass Malewitsch hierbei jenseits der Abstraktion eine reine höchste Malerei anstrebte, die in ihrer Ungegenständlichkeit dennoch der Welt und ihren Phänomenen verbunden ist, spiegeln Werktitel wie „Das grundlegende suprematistische Element. Das Quadrat“ oder „Kombinierte suprematistische Komposition (Empfindung metallischer Laute, dynamisch; blass-metallische Färbung)“ wider. Für die Darlegung seiner Theorie des Zusatzelementes, einer Art Bakterium unterschiedlicher Wirkung (kubistisch, cézannistisch oder suprematistisch), das die Schaffung moderner Kunst durchdringt und die darstellende Interpretation von Welt durchsetzt, brachte er sein Unterrichtsmaterial aus dem St. Petersburger Staatlichen Institut für Künstlerische Kultur mit. Es sind interessante Formstudien und Gemäldeanalysen, die größtenteils von seinen Mitarbeitern angefertigt wurden.

Gelungen ergänzt wird das Kernstück der Basler Ausstellung durch Gemälde, die Malewitschs Aneignung vorangegangener Kunststile verdeutlichen, die Rekonstruktion seiner unbewusst suprematistischen Bühnenbild- und Kostümbeiträge für die futuristische Oper „Sieg über die Sonne“ (1913) und El Lissitzkys gezeichnete Übertragungen des Suprematismus in die Architektur. Der Katalog überzeugt durch eine Neuübersetzung der verschiedenen Manuskripte sowie sorgfältige Analysen und Interpretationen des Text- und Bildmaterials.       


Kasimir Malewitsch, Die Welt als Ungegenständlichkeit

Kunstmuseum Basel

St. Alban-Graben 16, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

Katalog bei Hatje Cantz, Ostfildern 2014, 216 S., 39,80 Euro | ca. 54.90 Franken.




Kunstmuseum Basel