10/05/14

My Choice - Andreas von Ow auf der 48. Art Cologne

Der Künstler Andreas von Ow macht (Wieder)Entdeckungen auf der Art Cologne 48

von red.

Der Künstler Andreas von Ow macht (Wieder)Entdeckungen auf der Art Cologne 48

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 Piet Mondrian, Foxtail Lily, um 1900, Öl auf Leinwand, bei der Galerie Thomas Salis Art & Design, Salzburg

Holland, das Stichwort für mich! Da ich momentan in Rotterdam mein sechsmonatiges IAAB Artist-in-Residence-Stipendium nach Neuem dürstelnd genieße, wird eine Fahrt nach Leiden und Utrecht auf alle Fälle drin sein! Vielleicht kann ich mich nochmal anders an das Oeuvre von Piet Mondrian und seinen Kollegen herantasten. Bei der Lilie und ihrer Farbskala konnte ich jedenfalls nicht widerstehen. Sie hat mich voll erwischt! Und vielleicht bringt sie mich dazu de Stijl und Co. nochmal näher und besser kennen zu lernen. Die Neugierde und die Vorfreude sind groß!

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Serge Poliakoff, Composition Abstraite, 1966, Öl auf Leinwand, bei der Galerie Thomas Alis Art & Design, Salzburg

Er war zwar viel später als Mondrian und Kandinsky dabei, sich vom Gegenständlichen im Bild zu lösen und hat, wie einige seiner Zeitgenossen das Malen an sich und vor allem die Farbe und ihre Materialität zum Gegenstand des Bildes gemacht, mir spricht es dennoch aus dem Herzen. Seine Farbpalette war in den 40ern eher erdig, gegen später wurde sie kräftiger, bunter.

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William Anastasi, Subwaydrawings (rechts), Blind Drawing (links), Stalke Galerie, Copenhagen, zusammen mit Thomas Rehbein Gallery, Köln

Ihn will man offensichtlich (zu Recht!) wiederentdecken. Ich habe ihn unter anderem meines Freundes und Kollegen, David Semper, wegen, der mich quasi mit der Nase darauf gestoßen hat, überhaupt erst entdeckt. Dank des Messetrubels wäre ich fast blind daran vorbei gelaufen. Herrlich subjektive Konzeptkunst, wie sie simpler und dadurch poetischer kaum sein kann!

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Sean Scully, Cut Round Red, Farbaquatinataradierung, 2011, Galerie Bosserée, Köln

So unerschrocken und nicht so bitterernst kann man mit geometrisch anmutenden Formen in der Malerei umgehen und verliert trotzdem die Konzentration in ihrer Sensibilität nicht! Danke Herr Scully! Mit ihnen hätte ich gerne die Flasche Whisky von Roman Signer (siehe weiter unten) geöffnet. Dieses entspannte Ausloten von Farbflächenkombinationen tut so gut! Vielleicht können wir gerne noch  etwa Ulrich Erben und  Peter Tollens mit in die Runde nehmen. Deren Arbeiten hätte ich auch noch hier in diese Top 10 aufnehmen können. Sie sind jetzt einfach mal Stellvertreter.

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Ernst Caramelle, Wandarbeit, 2014, Galerie Nächst St. Stephan, Wien

Was passiert, wenn die Malerei die Leinwand verlässt? Ernst Caramelles Arbeiten liefern gute Beispiele dafür! Der Raum ist die Bildfläche. Innen wie außen. Van Doesburg, Mondrian und viele andere davor, haben das natürlich auch schon ausgekostet, den Raum für die Malerei nicht nur zu nutzen, sondern mit ihr auszuloten oder gar umzustrukturieren. Er steht für mich an dieser Stelle Pate für die Professoren, von denen ich viel gelernt habe, auch wenn ich mit ihm speziell nicht so viel Kontakt hatte wie mit dem Professoren, in deren Klasse ich war: Günter Umberg (war auch auf der Art Cologne bei Nächst St. Stephan am Stand mit einer schönen Installation seiner Arbeiten vertreten), Andreas Karl Schulze, Rainer Splitt und Tatjana Doll (die Galerie Gebr. Lehmann hatte eines ihrer „Guernicas“ auf der Messe gezeigt).

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Helen Feifels Arbeiten, alle 2014, am Stand der Galerie Kadel Willborn, Düsseldorf

Glamour und Trash krachen bei Helen Feifels Arbeiten wortwörtlich aufeinander. Aus offensichtlich dekonstruiertem Altbekannten wird Verschobenes und glanzvoll Neues in Anlehnung an vielleicht Bekanntes. Man kann die ehemalige Form der verwendeten Keramiken erkennen, die aber per Hammer in Einzelteile zerlegt wurden, um dann aus ihnen heraus neue Formen zu generieren. Was das Material in seinen Eigenschaften hergibt, wird definitiv eingesetzt. Ein herrliches Augenzwinkern und ein liebevoller Gruß von ihr an Constantin Brancusi!  Das Scheppern (nicht immer) aus dem Atelier nebenan werde ich nie vergessen. Ich vergaß es auch nicht, als ich diese Jahr im Februar durch Nek Chands Rockgarden in Chandigarh, Indien, lief.

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Roman Signer, Flasche (Bottle), 2007, Galerie Koenig & Clinton, New York

Diese Arbeit mochte ich auch deshalb sehr, weil da mein Lieblingsstandardwhisky (Lagavulin, 16 Jahre gelagert) am Faden von der Decke herunter hängt und über dem Luftwirbel des Ventilators rotiert. Ich schätze Roman Signer wirklich sehr, Chapeau denen, die ihr Kindsein nicht hergeben (können)! Aus dem verspielten Spannungsfeld zwischen komisch und tragisch ziehen die meisten seiner Arbeiten ihre Poesie. Ein weiterer meiner Heroen, denn (wie er auch) ich lache mich nämlich auch zu gerne über mich selbst kaputt und ich liebe das Absurde. 

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Daniel Schuberts Kojenansicht der New Positions-Show bei der Galerie Gebr. Lehmann, Berlin/Dresden

Daniel Schubert ist einer der Kollegen, die ich durch ihre Arbeit kennengelernt habe – was die Initialzündung für eine Freundschaft gab. Ich mag es sehr, wie er sich relativ unerschrocken und facettenreich an Probleme der Malerei heranmacht. Das durchgedrückte Kreuz des Keilrahmens findet ebenso seinen Part im Bild wie zum Beispiel ein Schwenker Glanzlack  aus der Sprühdose. Stark Gestisches als auch ganz Feines und Konzentriertes kämpfen miteinander und gehören doch so selbstverständlich zusammen.

 

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Jugoslav Mitevski, alle ohne Titel, 2013, bei der Petra Rinck Galerie, Düsseldorf

Auf dem Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt einer ganz langen Reihe von Arbeiten dieser Art abgebildet. Jugoslav Mitevski macht sie in den verschiedensten Techniken auf, in und mit Beton, weshalb ich hier auch keine vollständigen Materialangaben machen kann. Jedenfalls mag ich seine Ansätze, bildhauerisch an die Malerei heranzugehen (oder umgekehrt?). Er setzt den Hebel genau an dieser vermeintlichen Schwelle an.

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Sadie Benning, Arbeiten aus der Split Screens, 2012, Galerie Christian Lethert, Köln und Callicoon Finearts, New York

An diesen kleinen Arbeiten von Sadie Benning bin ich höchst wahrscheinlich aus ähnlichen Beweggründen wie bei Sean Scully hängen geblieben. Auf diesen kleinen, wahrscheinlich frei nach Augenmaß auf Speckbrettgröße zugeschnittenen Kartontäfelchen mit runden Ecken kombinierte sie mit Farbstiften in leicht gedämpften, matteren Farben fein ausgelotete Flächen. Die Amerikanerin startete im Alter von 15 mit Videoarbeiten, in deren Kern sie der Frage nach ihrer sexuellen Identität nachgeht. Ich finde ihren Weg zu solchen Arbeiten hoch interessant.  


Der Künstler Andreas von Ow (*1981) stellt derzeit zusammen mit Jörg Gelbke im Kunsthaus L6 in Freiburg aus.

 

300 haben wir noch Zeit

Kunsthaus L6

Lameystr. 6, Freiburg.

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 15. Juni 2014.

 

 

 




Kunst Galerie Bonn