06/05/14

Fotografie in München. Ein Rundgang

Die Münchner Galerien Rüdiger Schöttle, Bernheimer Fine Art Photography und die Galerie Blau zeigen die Möglichkeiten von zeitgenössischer Fotografie auf

von Franziska Fronhöfer
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Installationsansicht der Ausstellung Thomas Ruff - photograms in der Galerie Rüdiger Schöttle, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto: Wilfried Petzi

Die Münchner Galerien Rüdiger Schöttle, Bernheimer Fine Art Photography und die Galerie Blau zeigen die Möglichkeiten von zeitgenössischer Fotografie auf

Im künstlerischen Herzen Münchens in der Amalienstraße in Schwabing zeigt Rüdiger Schöttle Arbeiten der neuen „photograms“-Serie von Thomas Ruff (*1958). Ruff, der als Becher-Schüler in seinem frühen Werk zunächst ganz der traditionellen Fotografie verpflichtet war, entfernte sich immer weiter von diesen Ursprüngen und entwickelte eine extrem eigenständige künstlerische Ausdrucksweise unter Zuhilfenahme der digitalen Technik.

Zu seiner „phg“-Serie wurde Ruff von den Fotogrammen der 1920er Jahre inspiriert. Technisch lassen sich seine Möglichkeiten mit denen der historischen Schwarz-Weiß-Fotogrammen jedoch kaum vergleichen. Damals wurden die lichtempfindlichen Objekte ohne die Verwendung einer Kamera direkt beleuchtet. Ruff hat zur Umsetzung seiner Idee der „photograms“ eine 3D-Software entwickeln lassen, mit der er ein Fotogramm als digitales Faksimile auch farbig und in großen Formaten gestalten kann. In diesen Arbeiten nimmt Ruff motivisch mit Kompositionen von Kreisen, Wellen, Linien, Spiralen, Kugeln und Flächen Bezug auf die Altmeister der Technik von Moholy-Nagy, Man Ray und Christian Schad. Dennoch haben die frei schwingenden Formgebilde eine ganz eigene Stimmung und Wirkung.

Thomas Ruff, Photograms

Galerie Rüdiger Schöttle

Amalienstr. 41. München.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 12.00 bis 16.00 Uhr.

Bis 31. Mai 2014.

 

Als junger Mann wollte Michael Kenna (*1953) Priester werden. Der Sinn für Transzendentes spiegelt sich auch in seinen durch Strenge und Klarheit gekennzeichneten Fotoarbeiten wider. So ist die Wirkung der rund 50 in der Galerie Bernheimer ausgestellten kleinformatigen Schwarzweißfotos, die Kenna in Japan, Südkorea, China, Indien und Vietnam oft in der Dämmerung aufgenommen hat, geradezu spirituell. Ob es die bizarren Felsen sind, die knorrigen Kiefern und die den steilen Hügeln abgetrotzten Reisterrassen Südchinas, die Vulkane, Wälder und Flüsse Japans, die noch weitgehend unberührten Inseln Südkoreas oder die menschenleeren Strände und die satt grünen Teeplantagen Südindiens, die Natur wird nie mit nüchternem Blick ins Bild gebracht. Ein Baum ist nicht bloß ein Baum, sondern vielmehr Sinnbild eines Baumes. Unweigerlich denkt man an den berühmten „Tetschener Altar“ von Caspar David Friedrich, in dem die Schönheit der Schöpfung mit einer Naturstudie gefeiert wird. Aber auch die Aufnahmen Shanghais lassen durch ihre an der asiatischen Ästhetik der Reduktion geschulte klare und rhythmische Komposition dem pulsierenden Leben dieser Industriemetropole große Poesie zuwachsen. In einem Interview aus dem Jahr 2012 beschreibt Kenna die künstlerische Absicht seiner Fotografie als Suche nach dem Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren und als Ruhepol zur Gegenwart: „I try to photograph the invisible behind the visible. Our world is fast paced, noisy, colorful, full of distractions. I do try to provide something of an oasis, a place of rest, perhaps to meditate for a while. Calm, solitude, a moment to breathe – these are all aspects to the work“.

Michael Kenna, Light on Asia

Bernheimer Fine Art Photography

Brinner Str. 7. München.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10.00 bis 18.00 UHr, Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr.

Bis 26. April 2014.

 

Wenn man nach dieser zur Kontemplation einladenden sehr ästhetischen Ausstellung nur ein paar Meter durchs schöne München zum Odeonsplatz 12 bummelt und die Galerie Daniel Blau betritt, wird man ganz schnell in eine völlig andere nicht schwarz-weiße, wenig komponierte bunte Welt voller Leben, Disharmonien und Absonderlichkeiten zurückgeholt. Daniel Blau zeigt Polaroidfotos des britischen Autodidakten und Modefotografen David Bailey (*1938), die dieser in den 70er Jahren aufgenommen Hat. Als Daniel Blau 2012 David Bailey in dessen Londoner Atelier besuchte, fand er einen Karton mit fast vergessenen Polaroids. Unter den nun in München gezeigten Fotos findet sich eine Reihe von 1974 auf einer Reise nach Papua Neuguinea aufgenommenen Portraits, die auf entzückende Weise nicht gestellt, spontan und geradezu unschuldig nostalgisch wirken. Daneben ist auch die schräge Serie „Planet of the Apes on TV“ zu sehen, bei der Bailey 1974 vor dem Fernseher sitzend Fotos dieser Science-Fiction gemacht hat. Außerdem sind einige verwegene „Self Portraits“ Bailey von 1975 ausgestellt und ein paar in Bewegung aufgenommenen und daher verschwommenen Fotos von Andy Warhol. „It’s a bit like archaeology, You get a peak into the past, and into a strange world as well“, sagt Daniel Blau. Zu den oft gesehenen Modefotos bilden diese kleinen skurrilen Polaroids wirklich eine spannende Ergänzung.

David Bailey, 70’s Polaroids

Daniel Blau

Odeonsplatz 12, München.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 3. Mai 2014.




Galerie Daniel Blau
Bernheimer Fine Art Photography
Galerie Rüdiger Schöttle