12/05/14

Frühling! Jetzt!

Das Kunstmuseum Olten kämpft gegen seine mögliche Schließung

von Dietrich Roeschmann
Thumbnail

fruehlingjoerg.jpg

Andrina Jörg, Cocktailgräser, 2011/2014

Das Kunstmuseum Olten kämpft gegen seine mögliche Schließung

Zugegeben, die reale Natur hat es derzeit schwer gegen die Gemälde und Fotografien, die das Kunstmuseum Olten in seiner aktuellen Ausstellung präsentiert: Herrliche Blütenträume in frischen Farben, üppige Gärten und saftige Wiesen, auf denen junge Frauen in Musseline-Kleidern ihre zarten Körper den ersten Strahlen der Sonne entgegen recken. Satter ist der Frühling hier in den vergangenen 112 Jahren wohl selten begrüßt worden.

Der Anlass der prominent besetzten Schau stimmt jedoch alles andere als fröhlich. Als 2012 bekannt wurde, dass das größte Unternehmen am Ort, der Schweizer Stromriese Alpiq, sein Geschäftsjahr mit einem Verlust von knapp 1,1 Milliarden Franken abschließen würde, musste die Stadt ihren Haushalt kurzerhand um 30 Millionen nach unten korrigieren. Sie reagierte mit Steuererhöhungen, der Streichung der Umweltfachstelle, Kürzungen bei Bädern, Sportvereinen, dem städtischen Vogelgarten – und beim Etat der städtischen Museen. Um satte 19 Prozent oder 151.000 Franken soll allein das Budget des Kunstmuseums reduziert werden, was das finanziell ohnehin karg ausgestattete Haus faktisch an den Rand der Handlungsunfähigkeit bringen würde. Weil ein Museum, dem die Mittel für Sonderausstellungen fehlen, keinen touristischen – und damit ökonomischen – Mehrwert mehr abwirft, empfahl die SVP prompt die vollständige Schließung des Museums, die der Stadtrat nun als Option prüfen lässt und dabei auch eine Veräußerung der Sammlung nicht ausschließt. Olten würde damit einen Präzedenzfall schaffen. Auch wenn viele Gemeinden sparen müssen und ihre Kultursubventionen einfrieren – der finale Ausverkauf des kommunalen Kunsterbes steht europaweit bislang in keiner anderen Stadt zur Diskussion. Damit auch Olten davon verschont bleibt, lancierte das neu gegründete „Kommittee pro kultur olten“ eine Petition für den Erhalt des Kunstmuseums, die innerhalb weniger Wochen von 3740 Unterstützern unterschrieben und dem Stadtrat Ende März überreicht wurde. Auch Dorothee Messmer, seit 2011 Direktorin des Museums, blieb nicht untätig. Nachdem sie wegen der prekären Lage ihres Hauses die für dieses Frühjahr geplante Soloschau des Genfers Rudy Decelière absagen musste, bat sie Kolleginnen und Kollegen aus zahlreichen Schweizer Kunstmuseen um eine Geste der Solidarität. Dreißig sagten zu und stellten Messmer für die spontane Ersatzausstellung „Frühling, lass dein blaues Band ...!“ je eine Leihgabe zur Verfügung. Den Titel der Schau will die Direktorin vor allem als Appell an die Politik verstanden wissen. Bleibt zu hoffen, dass er nicht auf taube Ohren stößt. Denn als Alternative zum Aufbruch bliebe nur die Eiszeit.

 

Frühling, lass Dein blaues Band…!

Kunstmuseum Olten

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Kirchgasse 8, Olten.

Bis 25. Mai 2014.

www.kunstmuseumolten.ch




Kunstmuseum Olten