15/04/14

Geschichte und Geschichten

Die Kölner Künstlerin nimmt in ihrer Freiburger Einzelausstellung auf das Museum für neue Kunst Bezug

von Yvonne Ziegler
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Heike Beyer, Kaum dass sie stehen können, 2014, Foto: Bernhard Strauss

Die Kölner Künstlerin nimmt in ihrer Freiburger Einzelausstellung auf das Museum für neue Kunst Bezug

Gebäude haben ihre Geschichte. Künstler ebenfalls. Und Betrachter sowieso. Das Museum für Neue Kunst in Freiburg ist in einer ehemaligen Mädchenschule situiert, die wiederum im einstigen Klostergarten steht. Gedanklicher Ausgangspunkt der Kölner Künstlerin Heike Beyer (*1967) ist die Weitergabe über Generationen hinweg. Sie setzt bei ihrer eigenen Erinnerung an und knüpft mit 120 Silberketten ein Band zu jenen Frauen, die für ihr Leben wichtig waren. Die Ketten verbinden nun alle Räume, auch wenn dabei 60 Zentimeter starkes Mauerwerk überwunden werden musste. Dieser feine Silberfaden symbolisiert Themen wie Nähe, Frauenleben und Genealogie. Das Haus hat jedoch nicht nur eine Geschichte, sondern gibt Beyer auch in Form seiner Fenstersegmente Anlass, etwa 20 feine Drahtgestelle von 170 Zentimeter Höhe und 27 Zentimeter Breite als eine Art menschliche Stellvertreter zueinander in Beziehung zu setzen und mit vor Ort gefundenen Fäden oder Klebstoffen zu fragilen Gestalten werden zu lassen: „Kaum dass sie stehen können“. Schließlich nimmt Beyer auf die Funktion des Gebäudes Bezug, indem sie zwei Fensterflügel für die Zeit der Ausstellung öffnen lässt, um das Museum als Ort des Austausches zwischen Innen und Außen, Kunst und Welt fühlbar zu machen. Ihre einfache Geste hat zur Konsequenz, dass Museumspersonal und Besucher mit dem Wetter umgehen müssen, das nun ungehindert Präsenz erhält. Und vielleicht kommt nun erstmals der Baum im Innenhof zur Geltung, der im Laufe der nächsten Monate ein Blätter- und Blütenkleid erhalten wird. Beyer trägt auch Zeitgeschichte in den musealen Raum hinein: Verwischtes Rosa und die Jahreszahlen  2000 und 2011 im Titel verweisen auf die NSU-Morde, die mitten unter uns geschehen sind. Zwischen den scheinbar leichten, präzis gesetzten Objekten wie Blumen, Seidenpapier und Draht blitzt die Aufforderung auf, wachsam zu sein.      

 

Heike Beyer, Kaum dass sie stehen können.

Museum für neue Kunst

Marienstr. 10a, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 22. Juni 2014.

 




Freiburg